Die Crowdinvesting-Plattform OneCrowd ist insolvent. Hensoldt verstärkt sein Engagement im DefenseTech-Sektor. Das KI-Startup kausable aus Heidelberg erhält Aufmerksamkeit und Kapital. Was diese Entwicklungen für den Markt bedeuten
Die deutsche Startup-Landschaft verzeichnet zum 28. Juli 2026 mehrere markante Entwicklungen. Die Crowdinvesting-Plattform OneCrowd, die aus den Marken Seedmatch, Econeers und Mezzany hervorgegangen ist, hat Insolvenz angemeldet. Parallel dazu baut der Rüstungskonzern Hensoldt seine Aktivitäten im Bereich DefenseTech aus. Im KI-Segment rückt das Heidelberger Startup kausable mit einer signifikanten Finanzierung in den Fokus. Zudem kehrt Max Wittrock, Mitgründer von mymuesli, nach einer Phase außerhalb des Unternehmens in die operative Führung zurück.
OneCrowd: Insolvenz nach über 290 Finanzierungsrunden
OneCrowd, mit Sitz in Dresden, war eine der ersten Plattformen für Crowdinvesting in Deutschland. Unter der Marke Seedmatch wurden seit 2011 mehr als 290 Finanzierungsrunden für Startups und Wachstumsunternehmen abgewickelt. Nach der Zusammenführung aller Angebote unter dem Namen OneCrowd im Jahr 2025 vermittelte die Gruppe insgesamt über 128 Millionen Euro Kapital. Nun wurde bekannt, dass das Unternehmen insolvent ist. Als vorläufige Insolvenzverwalter wurden drei Anwälte der Kanzlei BBL Brockdorff eingesetzt. Ziel ist es, Investoren für eine mögliche Übernahme zu finden. Die Insolvenz betrifft sowohl die Plattform als auch die laufenden Beteiligungen, wobei die Auswirkungen auf Anleger und Startups noch nicht abschließend geklärt sind.
Hensoldt verstärkt DefenseTech-Engagement
Der börsennotierte Rüstungskonzern Hensoldt investiert gezielt in junge Unternehmen aus dem DefenseTech-Sektor. Zu den Beteiligungen zählen Project Q, das softwarezentrierte Verteidigungslösungen entwickelt, Quantum Systems im Bereich Drohnentechnologie sowie 21strategies mit Fokus auf Verteidigungssoftware. Darüber hinaus bestehen Kooperationen mit Unternehmen wie Helsing (KI für Verteidigung), SE3 Labs (räumliche KI) und TYTAN (Drohnenabwehr). Hensoldt arbeitet zudem mit Schwarz Digits an datenbasierten Verteidigungsfähigkeiten und forscht gemeinsam mit der Technischen Universität München an neuen Technologien. Weitere Investitionen und Partnerschaften sind laut Unternehmensangaben geplant. Die Aktivitäten spiegeln den wachsenden Trend wider, dass etablierte Rüstungsunternehmen verstärkt auf technologische Innovationen und Startups setzen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.
kausable: Heidelberger KI-Startup mit 12 Millionen Euro Finanzierung
Das 2025 gegründete Unternehmen kausable aus Heidelberg entwickelt KI-Systeme, die sich mit minimalen Datenmengen und ohne klassisches Training an neue Kontexte anpassen können. Das Gründerteam um Johannes Haux, Gregor Ramien und Benjamin Herdeanu konnte eine Finanzierung in Höhe von 12 Millionen Euro sichern. Zu den Investoren zählen UVC Partners, High-Tech Gründerfonds (HTGF), Entourage und Mätch VC. kausable wird als eines der vielversprechendsten KI-Startups des Jahres gehandelt. Die Entwicklung von kausalen KI-Systemen gilt als technisch anspruchsvoll und könnte neue Anwendungen in Bereichen ermöglichen, in denen klassische maschinelle Lernverfahren an ihre Grenzen stoßen. Bereits im Frühjahr wurde die Finanzierung von kausable in der Fachpresse thematisiert, etwa im Beitrag über die Seed-Runde und die Übernahme von Noscendo durch Bruker (Hintergrund zur Finanzierung von kausable).
Rückkehr von Max Wittrock zu mymuesli
Nach mehreren Jahren außerhalb des operativen Geschäfts übernimmt Max Wittrock erneut die Führung bei mymuesli. Das Unternehmen, das 2007 von Wittrock gemeinsam mit Hubertus Bessau und Philipp Kraiss gegründet wurde, hatte zuletzt mit schwierigen Marktbedingungen zu kämpfen. Wittrock war zwischenzeitlich mit dem Food-Startup Zerolabs aktiv. Die Rückkehr soll dazu beitragen, die Marke mymuesli strategisch neu auszurichten und wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Konkrete Pläne zur Neuausrichtung wurden bislang nicht veröffentlicht.
Crowdinvesting bezeichnet die Beteiligung vieler Kleinanleger an jungen Unternehmen über digitale Plattformen. Im Unterschied zu klassischen Beteiligungsmodellen erfolgt die Investition meist in Form von Nachrangdarlehen oder stillen Beteiligungen. Das Risiko für Anleger ist hoch, da ein Totalverlust möglich ist. Die Insolvenz einer Plattform wie OneCrowd wirft Fragen zur Regulierung, zum Anlegerschutz und zur Zukunft des Crowdinvesting-Modells in Deutschland auf. Für Startups kann Crowdinvesting eine wichtige Finanzierungsquelle sein, ist aber mit Unsicherheiten verbunden, wenn Plattformen ausfallen oder der Markt sich konsolidiert. Schlagwörter: High-Tech Gründerfonds, Deutsche Technologieunternehmen, Wagniskapital