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Private Equity setzt auf KI-Rechenzentren und Batteriespeicher

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

Private Equity setzt auf KI-Rechenzentren und Batteriespeicher Glocalist Press © glocalist.press
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Blackstone, KKR und andere lenken Milliarden in KI-Rechenzentren, Batteriespeicher und Verteidigungstechnologien. Warum institutionelles Kapital neue Wege geht und Zürich sowie Zug dabei im Mittelpunkt stehen.

Große Deals laufen heute anders. Internationale Private-Equity- und Infrastrukturfonds stecken ihr Geld gezielt in Sektoren, die früher als Nische galten oder regulatorisch schwierig waren. Jetzt stehen KI-Rechenzentren, Batteriespeicher und Verteidigungstechnologien im Fokus. Das verändert die Kapitalströme. Auch die Anforderungen an Investoren und Berater steigen.

Technologische Souveränität als Investitionsziel

Institutionelle Investoren und Regierungen setzen auf physisch robuste Infrastruktur. Wirtschaftliche Stärke und Sicherheit hängen davon ab. In den letzten Jahrzehnten dominierten "Asset-light"-Modelle und globale Lieferketten. Heute zählen industrielle Makro-Ökosysteme. Dazu gehören Verteidigung, KI-Rechenleistung, Energiespeicherung und erneuerbare Energien. Diese Bereiche greifen ineinander. Ohne große Rechenleistung lässt sich KI nicht skalieren. Moderne Rechenzentren brauchen viel dekarbonisierte Energie. Batteriespeicher gleichen die Schwankungen erneuerbarer Energien aus. Sie sichern die Versorgung.

Private-Equity-Gesellschaften wie Blackstone, KKR, Brookfield und EQT investieren dort, wo die Nachfrage kaum schwankt. Langfristige Trends stützen diese Entwicklung. Die Kapitalverteilung folgt dem Prinzip: Strategische Souveränität und Versorgungssicherheit sind jetzt entscheidend. 2025 wurden in Europa 27,1 GWh neue Batteriespeicherkapazität installiert. Branchenverbände fordern eine Verzehnfachung bis 2030. Regulatorische Vorgaben wie die EU-Batterieverordnung und die Anforderungen der Bundesnetzagentur an Netzstabilität und Systemdienstleistungen treiben das voran.

Verteidigung und Dual-Use-Technologien im Fokus

Verteidigung und Dual-Use-Technologien waren lange tabu für viele institutionelle Investoren. Strenge ESG-Kriterien schlossen sie aus. Das ändert sich. Sicherheit und glaubhafte Abschreckung gelten jetzt als Basis für stabile Demokratien und Wirtschaft. Fonds interessieren sich weniger für Panzer oder Kampfjets. Sie schauen auf spezialisierte Zulieferer: Sensorsysteme, Cyberabwehr, Radararchitektur, militärische Halbleiter, autonome Drohnen, präzise Komponentenfertigung. Laut Dealroom und Resilience Media sammelten europäische Verteidigungs-Startups seit Anfang 2026 bereits 7,4 Mrd. US-Dollar Venture Capital ein. Für das Gesamtjahr werden rund 10,5 Mrd. US-Dollar erwartet. 2025 waren es noch 2,6 Mrd. US-Dollar. Der Defence-Tech-Anteil am europäischen Venture-Volumen stieg von 4 % auf 11,1 %.

Die Ausweitung der Verteidigungsfinanzierung geht mit einem deutlichen Anstieg der staatlichen Ausgaben einher: Nach Angaben der Europäischen Verteidigungsagentur gaben die EU-Staaten 2025 rund 418 Mrd. Euro für Verteidigung aus, 20 % mehr als im Vorjahr. Für 2026 wird ein weiterer Anstieg auf 454 Mrd. Euro prognostiziert, wobei die Ausgaben für Forschung und Entwicklung von 17 auf 20 Mrd. Euro steigen sollen.

BNP Paribas Asset Management

Im europäischen und transatlantischen Mid-Market rollt eine Konsolidierungswelle. Viele spezialisierte Zulieferer brauchen Kapital und Größe, um Aufträge von europäischen und NATO-Regierungen zu stemmen. M&A-Deals konzentrieren sich auf Firmen mit technischer Tiefe und Skalierbarkeit. Auffällig: 2026 überholten US-Investoren erstmals europäische Investoren bei der Finanzierung europäischer Defence-Tech-Startups. Ihr Anteil lag bei 47 %, europäische Investoren kamen auf 44 %. Die Zahl der aktiven Investoren stieg auf 455. Das ist doppelt so viel wie 2023. Ein Beispiel: Quantum Systems aus Deutschland holte im Juli 2026 mit Blackstone 1,2 Mrd. US-Dollar. Die beiden größten deutschen Runden machten rund 40 % des europäischen Defence-Tech-Volumens aus.

Rechenzentren und Batteriespeicher als Engpassfaktoren

KI-Rechenzentren sind anders als klassische Cloud-Infrastruktur. Sie gelten heute als spezialisierte Energie-Utilities. Ihr Strombedarf ist enorm. Sie brauchen spezielle Netzanschlüsse, Zugang zu CO₂-freier Energie und Flüssigkeitskühlung. Standorte mit genehmigten Netzanschlüssen erzielen Knappheitsprämien. Das schlägt sich in den Bewertungen nieder. Die Bundesnetzagentur hebt in aktuellen Veröffentlichungen die Bedeutung von Netzanschlusskapazitäten hervor. Sie fordert, Großverbraucher wie Rechenzentren mit dem Ausbau von Batteriespeichern und erneuerbaren Energien zu verzahnen. Infrastrukturinvestoren kaufen zunehmend Plattformen, die erneuerbare Energie, Batteriespeicher (BESS) und langfristige Stromabnahmeverträge (PPA) mit Technologiekonzernen bündeln. Der Grund ist klar. Die reine Produktion von grünem Strom reicht nicht mehr. Übertragungsnetze sind oft überlastet. In Spitzenzeiten fällt der Strompreis auf null oder sogar ins Minus. Batteriespeicher puffern Überschüsse und speisen sie bei hoher Nachfrage ein. Sie sind das wirtschaftliche Bindeglied. Nur so werden Projekte bankfähig und Systemdienstleistungen zur Netzstabilisierung möglich.

Auch in anderen Sektoren zeigt sich die Bedeutung solcher Infrastruktur. Der frühe Netzanschluss eines großen Solarkomplexes in Colorado wurde laut Medienberichten als Meilenstein für die Versorgung von Rechenzentren und Industrie gewertet. International investieren Häuser wie Blackstone und Digital Realty in große Rechenzentren mit je 96 MW Kapazität. Das zeigen aktuelle US-Transaktionen. Die Bruttotransaktionswerte solcher Deals erreichen bis zu 7,8 Mrd. US-Dollar. Alle Standorte sind komplett an institutionelle Kunden vermietet. Energieeffizienz und Versorgungssicherheit werden zunehmend durch DIN EN 50600 und Vorgaben der Bundesnetzagentur bestimmt. Mehr zu Netzanschlussregeln und Kapazitätsauktionen steht in den Netzentwicklungsplänen der Bundesnetzagentur.

Schweizer Finanzplatz als transatlantische Drehscheibe

Die Schweiz, vor allem Zürich und Zug, ist heute zentrale Plattform für die Strukturierung und Finanzierung globaler Infrastrukturprojekte. Hier sitzen Akteure wie Partners Group, spezialisierte Energie-Asset-Manager und viele Family Offices. Es gibt viel Eigenkapital, das auf stabile, inflationsgeschützte Renditen zielt. Die Nähe zur ETH Zürich stärkt Kompetenzen in Hardtech, KI-Architektur und Netzstabilität.

Der Schweizer Finanzplatz verbindet US-Kapital mit europäischen Industrie-Assets. Ein stabiler Franken, niedrige Finanzierungskosten und institutionelle Verlässlichkeit machen die Schweiz zum bevorzugten Standort für komplexe Co-Investments und Fremdkapitalvehikel. Milliardenprojekte in Batteriespeichern, KI-Rechenzentren und Verteidigungstechnologien brauchen solche Strukturen.

M&A-Berater und Corporate-Strategen stehen vor neuen Aufgaben. Klassische Finanzierungsmodelle reichen nicht mehr. Gefragt sind interdisziplinäre Fähigkeiten: geopolitisches Verständnis, Energierecht, Netzökonomie, technologische Expertise. Wer privates Kapital mit industrieller Relevanz und Realwirtschaft verbinden kann, prägt die Transaktionslandschaft der nächsten Jahre.

Die Kapitalströme verschieben sich klar in Richtung strategischer Infrastruktur. Technologische und energetische Souveränität sind jetzt zentrale Investitionskriterien. Die Integration von Rechenzentren, Batteriespeichern und Verteidigungstechnologien verlangt nicht nur viel Kapital. Es braucht auch tiefes Verständnis für regulatorische, technische und geopolitische Zusammenhänge. Die Schweiz spielt dabei eine Schlüsselrolle. Doch auch deutsche und europäische Akteure müssen gezielt Kompetenzen aufbauen, um international mithalten zu können.

Ein Batteriespeicher (BESS) ist ein technisches System, das elektrische Energie in Batterien speichert und bei Bedarf wieder ins Stromnetz einspeist. Solche Systeme gleichen Schwankungen erneuerbarer Energien wie Wind- und Solarstrom aus und sichern die Versorgung. Sie speichern überschüssigen Strom und stellen ihn bei hoher Nachfrage bereit. Das erhöht die Flexibilität und Zuverlässigkeit moderner Stromnetze. Batteriespeicher sind ein zentraler Baustein für die Integration erneuerbarer Energien in die Infrastruktur.

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