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Investoren bremsen Finanzierung neuer Rechenzentren aus

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

Investoren bremsen Finanzierung neuer Rechenzentren aus Glocalist Press © glocalist.press
Investoren bremsen Finanzierung neuer Rechenzentren aus © glocalist.press

SB Energy und andere Entwickler stoßen trotz Großkundenverträgen auf neue Hürden bei der Finanzierung von Rechenzentren. Betriebserlöse und Stromversorgung rücken jetzt in den Fokus.

Großkundenverträge galten lange als Türöffner für Baukapital in der Rechenzentrumsbranche. Das gilt nicht mehr. Selbst SB Energy, verbunden mit Softbank und OpenAI, kommt bei der Finanzierung ins Stocken. Die geplante Roadshow für den Börsengang wurde Ende September gestoppt. Investoren zweifeln an der Bewertung und an der Abhängigkeit von einzelnen Großkunden. Nach aktuellen Marktberichten ist ein Börsengang von SB Energy frühestens Mitte bis Ende Oktober 2026 denkbar. Der Grund: Die Konzentration auf einen Großkunden, vor allem OpenAI, wird kritisch gesehen.

Finanzierungsdruck trotz voller Auftragsbücher

SB Energy meldete im September: Von 8,8 GW unterzeichneten IT-Kapazitäten sind nur 0,8 GW im Bau. Noch läuft kein einziges Rechenzentrum. Die übrigen 8 GW, fast komplett für OpenAI in Ohio, brauchen laut Unternehmen Investitionen von 174 Milliarden US-Dollar in sechs Jahren. Die Mietverträge laufen zwar 20 Jahre, greifen aber erst, wenn Strom und Gebäude stehen. Bis dahin müssen Entwickler Baukosten und Zinsen vorstrecken. Einnahmen gibt es noch keine. Verzögerungen beim Stromanschluss oder beim Bau verlängern diese Phase. Das Risiko für Investoren steigt. Die Bundesnetzagentur verweist regelmäßig auf die Bedeutung gesicherter Netzanbindung und die Einhaltung von EN 50600 für Planung und Betrieb von Rechenzentren in Europa.

Auch DayOne und Switch bereiten Börsengänge vor. Sie setzen auf eine Mischung aus bestehenden Standorten und neuen Projekten. DayOne betreibt Rechenzentren in Malaysia, im asiatisch-pazifischen Raum und in Europa. Investoren bevorzugen Plattformen mit laufenden Betriebserlösen und gesicherter Stromversorgung. Sie wollen eine belastbare Einnahmenhistorie sehen. Projekte in der Bauphase, die auf wenige Großkunden angewiesen sind, geraten unter Druck. Die Bundesnetzagentur betont in aktuellen Veröffentlichungen: Versorgungssicherheit und Integration ins Stromnetz nach DIN VDE 0100-710 und EN 50600 sind zentrale Voraussetzungen für neue Standorte.

Stromversorgung als Engpass und Risiko

Strom wird zum Flaschenhals für neue Rechenzentren. Oracle hat Entwicklern des "Project Jupiter" in New Mexico Mitteilungen über "höhere Gewalt" geschickt. Damit sichert sich Oracle das Recht auf spätere Zahlungen bei Verzögerungen. Am 24. September 2026 ging ein Notice of Force Majeure raus. Am 1. Oktober stellte Oracle klar: Die Baustelle selbst blieb vom Hochwasser verschont. Das Projekt läuft weiter nach Plan. Project Jupiter soll rund 2,45 GW leisten. Es zählt zu den größten Einzelvorhaben im Stargate-Programm, das bis 2029 bis zu 500 Milliarden US-Dollar in die KI-Infrastruktur der USA stecken will. Die Finanzierung umfasst etwa 18 Milliarden US-Dollar und ein Konsortium von rund 20 Banken. Oracle betont: Die finanziellen Verpflichtungen gegenüber Project Jupiter bleiben bestehen. Das Projekt gilt als aktiv.

Die Bundesnetzagentur sieht in der gesicherten Stromversorgung und der Einhaltung von EN 50600 zentrale Voraussetzungen für die Genehmigung und den Betrieb neuer Rechenzentren in Deutschland.

Bundesnetzagentur

Auch in Texas griff der Gouverneur im September ein. Er forderte, Genehmigungen für Rechenzentren auszusetzen, bis Strom- und Wasserversorgung geprüft sind. Selbst mit Kunden und Standorten bleibt Strom ein Unsicherheitsfaktor. DayOne prüft in Malaysia mit einem staatlichen Energieunternehmen bis zu 1,5 GW Vor-Ort-Stromerzeugung mit Speicher. Doch Machbarkeitsstudien und Genehmigungen fehlen noch. Morgan Stanley schätzt: Zwischen 2026 und 2028 steigt der Strombedarf durch Rechenzentren in den USA um 97 GW. Nach Abzug der bereits im Bau befindlichen Kapazitäten bleibt bis 2028 eine Lücke von rund 33 GW. GE Vernova meldet: Neue Gasturbinen für Projekte sind erst ab 2032 lieferbar. Wer auf bestehende Kraftwerke setzt, wie JERA, Dell und RHAELM in Japan, kann Wartezeiten für Netzanschlüsse verkürzen. Standorte mit gesicherter Stromversorgung haben einen klaren Vorsprung. Das ist Fakt.

Neue Finanzierungsmodelle und geteiltes Risiko

Die Finanzierung verschiebt sich. Kunden und Chiphersteller übernehmen jetzt einen Teil des Risikos. Oracle meldete im September: 75 % der Kapazität des Rechenzentrums in Abilene, Texas, sind ausgeliefert. Im letzten Geschäftsquartal flossen 11,4 Milliarden US-Dollar an Vorauszahlungen von Kunden. Sie tragen damit einen erheblichen Teil der Investitionen. Neue KI-Verträge verlangen oft, dass Kunden Hardware stellen oder Vorauszahlungen leisten. Das senkt die Kapitalbindung für Betreiber. Die Bundesnetzagentur betont im aktuellen Bericht zur Versorgungssicherheit: Die Integration ins Stromnetz nach DIN VDE 0100-710 und EN 50600 ist für neue Standorte maßgeblich. Mehr Details zu regulatorischen Anforderungen stehen in der aktuellen Versorgungssicherheitsanalyse der Bundesnetzagentur.

CoreWeave setzt auf langfristige "Take-or-Pay"-Verträge. Die Finanzierung läuft etappenweise, je nach Baufortschritt und Gerätebereitstellung. Die Kreditwürdigkeit der Kunden und der Wert der Hardware bestimmen die Konditionen. Nvidia hat für SB Energy eine Restwertgarantie für 4,25 GW IT-Kapazität in Ohio übernommen. Sie greift bei Zahlungsausfällen. Aber: Diese Garantien decken nicht alle Baurisiken ab. Softbank, OpenAI und Nvidia sind Investoren, Mieter und Kreditgeber zugleich. Das macht die Projekte komplex. Die gegenseitige Abhängigkeit wächst.

Marktknappheit und selektive Kapitalvergabe

Die Nachfrage nach Rechenzentren bleibt hoch. CBRE-Daten zeigen: In den acht wichtigsten nordamerikanischen Märkten lag die Leerstandsrate im ersten Halbjahr bei nur 1,4 %. Über 80 % der im Bau befindlichen Kapazitäten sind bereits vorvermietet. Trotzdem bekommen nicht alle Projekte die gleichen Finanzierungsbedingungen. Plattformen mit laufenden Betriebserlösen und gesicherter Stromversorgung werden bevorzugt. Projekte mit wenigen Großkunden und langen Bauphasen geraten unter Druck. Entwickler müssen zusätzliche Garantien stellen. Bewertungen sinken. Bauarbeiten werden etappenweise durchgeführt, wenn externe Mittel fehlen. Die Verteilung der Baurisiken entscheidet über den Wettbewerb.

Die Entwicklung erinnert an andere Infrastruktursegmente. Finanzierung und regulatorische Unsicherheit sind zentrale Engpässe. Wie ein früherer Bericht zu Liquiditätsproblemen im Solarsektor zeigt, steigen die Anforderungen an Kapitalgeber und Betreiber, sobald technische und regulatorische Risiken wachsen.

Die Branche ändert sich. Langfristige Verträge reichen nicht mehr, um Baukapital zu sichern. Entscheidend sind Betriebserlöse, gesicherte Stromversorgung und die Bereitschaft von Kunden und Chipherstellern, Risiken zu teilen. Wer das nicht nachweisen kann, wird es schwer haben. Für Deutschland und Europa heißt das: Rechenleistung bleibt knapp, solange regulatorische Unsicherheiten und Engpässe bei der Energieversorgung bestehen. Die Kapitalvergabe wird selektiver. Nur robuste Geschäftsmodelle und belastbare Partnerschaften überzeugen.

Ein Börsengang ist der erste Verkauf von Aktien eines Unternehmens an der Börse. Unternehmen nutzen ihn, um neues Eigenkapital zu beschaffen und ihre Finanzierung breiter aufzustellen. Der Erfolg hängt von der Bewertung, der Nachfrage der Investoren und dem Geschäftsmodell ab. In kapitalintensiven Branchen wie der Rechenzentrumsinfrastruktur zählen stabile Betriebserlöse und gesicherte Energieversorgung. Ohne sie bleibt der Zugang zum Kapitalmarkt schwierig.

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