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Meta und BCE stoßen in Kanada an Stromgrenzen für KI-Rechenzentren

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

Meta und BCE stoßen in Kanada an Stromgrenzen für KI-Rechenzentren Glocalist Press © glocalist.press
Meta und BCE stoßen in Kanada an Stromgrenzen für KI-Rechenzentren © glocalist.press

Meta und BCE wollen riesige KI-Rechenzentren in Kanada bauen. Doch die Stromnetze sind schon jetzt am Limit. Was bedeutet das für Unternehmen und Verbraucher?

In Kanada stehen die Stromnetze unter Druck. Noch bevor Meta und BCE ihre neuen Rechenzentren ans Netz bringen, sind die Kapazitäten vielerorts fast ausgeschöpft. Die geplanten Anlagen verlangen Anschlussleistungen, wie sie sonst nur große Industriebetriebe brauchen. Alberta und Saskatchewan kämpfen jetzt um Energie, Flächen und Genehmigungen. Laut Regierung Alberta lag das Volumen der beantragten Netzanschlüsse für Rechenzentren im Juli 2026 bei rund 19.565 Megawatt. Das ist ein Vielfaches der bisherigen Spitzenlasten. Der KI-Boom fordert die Netze heraus. Die Zahlen sprechen für sich.

Meta setzt auf Alberta trotz Engpässen

Meta investiert über 13 Milliarden kanadische Dollar in ein neues Rechenzentrum im Sturgeon County, Alberta. Die Anlage soll mit 1 Gigawatt starten und kann auf 1,8 Gigawatt wachsen. Meta will sowohl die Energieerzeugung als auch die Netzinfrastruktur komplett selbst bezahlen. Bis das eigene Gaskraftwerk Greenlight Ende 2030 läuft, bezieht das Rechenzentrum 250 Megawatt aus dem bestehenden Netz. Dafür gibt es einen langfristigen Vertrag mit Capital Power. Die Alberta Electric System Operator (AESO) hat neue Großanschlüsse bis 2027/28 auf 1.200 Megawatt begrenzt. Davon gehen allein 970 Megawatt an Meta.

Das Netz ächzt unter der Last. Das Pembina Institute schätzt, dass Haushalte in Alberta zwischen 2027 und 2031 pro Jahr 267 bis 462 kanadische Dollar mehr für Strom zahlen könnten. Meta und die Provinzregierung widersprechen. Im August gingen in Morinville Hunderte Menschen auf die Straße. Sie protestierten gegen das Projekt, vor allem wegen der Folgen für Wasser und Stromnetz. Die oppositionelle NDP fordert einen Stopp für neue KI-Rechenzentren, bis strengere Regeln gelten. Capital Power erklärte öffentlich, dass Metas Engagement Alberta für andere Hyperscaler attraktiver gemacht habe.

BCE und SaskPower setzen auf eigene Infrastruktur

BCE geht in Saskatchewan einen anderen Weg. Das geplante Rechenzentrum bei Regina soll von 300 Megawatt auf bis zu 1,2 Gigawatt wachsen. Die Gesamtinvestitionen liegen bei über 50 Milliarden kanadische Dollar. Das umfasst Technik und Energieinfrastruktur. Bisher gibt es nur eine Absichtserklärung. Mieter wie Cerebras und CoreWeave wollen eine unabhängige Dateninfrastruktur aufbauen. Die Provinz verlangt im neuen Data Centre Framework, dass neue Rechenzentren eigene Stromquellen schaffen. Die erste Ausbaustufe ist im Bau. Erste Datenhallen sollen im ersten Halbjahr 2027 starten.

Die Bundesnetzagentur sieht in der Integration großer Rechenzentren eine Herausforderung für die Netzstabilität und fordert eine vorausschauende Planung der Netzinfrastruktur nach DIN EN 50600 und unter Berücksichtigung der europäischen Energieeffizienzrichtlinie.

Bundesnetzagentur

Zum Vergleich: Die bisherige Rekordlast in Saskatchewan lag bei 3.910 Megawatt. Das BCE-Zentrum würde fast ein Drittel davon brauchen. Eine Vereinbarung mit der George Gordon First Nation regelt Beschaffung und Ausbildung. SaskPower bleibt als Monopolnetzbetreiber der zentrale Akteur. Für die zusätzlichen 900 Megawatt muss BCE nach dem Prinzip "Bring Your Own Power" eigene Energiequellen finden, wie es das Saskatchewan Data Centre Framework verlangt. Die Finanzierung für die zweite Jahreshälfte 2026 sieht rund 1,3 Milliarden kanadische Dollar vor. Ein Teil davon soll über Gebühren und Vorauszahlungen der Mieter kommen.

NU E Power setzt auf hybride Energieparks

NU E Power verfolgt eine andere Strategie. Das Unternehmen entwickelt hybride Energieparks mit erneuerbaren Energien, Speichern und Gaserzeugung. Im Großraum Regina hält NU E Power seit August 2025 Entwicklungsrechte. Im August 2026 gab es eine Absichtserklärung zum Kauf von knapp 12 Hektar Land bei Regina für 2,7 Millionen kanadische Dollar. Die Zahlung ist gestaffelt: Es gibt eine rückzahlbare Anzahlung, eine Barzahlung bei Abschluss und ein Verkäuferdarlehen. Zusätzlich werden 100.000 kanadische Dollar für Umwidmung und Erschließung reserviert.

Ob das Grundstück für große Abnehmer interessant wird, ist offen. NU E Power braucht eine Ausnahmegenehmigung nach dem Saskatchewan Farm Security Act. Auch die Teilung und Umwidmung des Grundstücks müssen gelingen. Die Exklusivität läuft bis Ende Oktober. Das Projektportfolio umfasst laut Update von Mai rund 1.112 Megawatt brutto und 614 Megawatt netto. In Alberta hat NU E Power im August eine Absichtserklärung zur Übernahme eines 145-Megawatt-Solarprojekts mit Batteriespeicher unterschrieben. Auch dort ist der Netzanschluss noch nicht gesichert.

Finanzierung und Unsicherheiten für neue Projekte

Die Finanzierung bleibt für NU E Power schwierig. Im Juli und August kamen über eine Privatplatzierung rund 3,86 Millionen kanadische Dollar brutto zusammen. Ende September wurde eine Verbindlichkeit von 105.000 kanadische Dollar durch Ausgabe von 700.000 Units zu je 0,15 Dollar beglichen. Für weitere Akquisitionen braucht das Unternehmen laut eigenen Angaben zusätzliches Geld. Verzögerungen bei der Umwidmung oder Ablehnungen durch Behörden können Projekte stoppen. Auch das Netzanschlussverfahren ist riskant. Teure Ausbauten der Hochspannungsleitungen könnten verlangt werden.

Die Aktie von NU E Power bewegte sich zuletzt kaum. Das Geschäftsmodell trifft auf steigende Nachfrage, ist aber mit regulatorischen und finanziellen Risiken verbunden. Privatanleger sollten sich genau informieren. Einen Einblick gibt der Vortrag von CEO Broderick Gunning beim International Investment Forum am 7. Oktober um 18:30 Uhr MESZ.

Kanada zeigt, wie schnell KI-Infrastruktur an die Grenzen der Stromnetze stößt. Ähnliche Probleme gibt es auch anderswo. Ein früherer Bericht zu Batteriespeichern in den USA macht das deutlich. Für Deutschland und Europa bleibt offen, wie der steigende Energiebedarf von KI-Rechenzentren mit Versorgungssicherheit, Netzstabilität und Akzeptanz vereinbart werden kann. Die Beispiele aus Kanada zeigen: Technik allein reicht nicht. Regulatorische, soziale und wirtschaftliche Rahmenbedingungen müssen mitwachsen. Die Bundesnetzagentur fordert im Netzentwicklungsplan, dass der Ausbau von Stromnetzen nach DIN EN 50600 und unter Berücksichtigung der europäischen Energieeffizienzrichtlinie erfolgen muss. Mehr zu den regulatorischen Anforderungen steht in der aktuellen Veröffentlichung der Bundesnetzagentur.

Ein Stromnetz ist das Rückgrat der Energieversorgung. Es verbindet Erzeuger, Verbraucher und Speicher über Hoch- und Mittelspannungsleitungen. Die Kapazität bestimmt, wie viel Strom gleichzeitig fließen kann. Engpässe entstehen, wenn neue Großverbraucher wie Rechenzentren ans Netz gehen, ohne dass das Netz ausgebaut wurde. Der Ausbau ist technisch und regulatorisch aufwendig. Er braucht Planung, Genehmigungen und Investitionen. Für Betreiber von Rechenzentren und Energieparks ist ein gesicherter Netzanschluss entscheidend. Ohne ihn geht nichts.

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