Immer mehr Startups in Deutschland und Europa investieren gezielt in Außenwerbung, um ihre Markenbekanntheit zu steigern. Welche Motive und Effekte hinter diesem Trend stehen, bleibt differenziert
Außenwerbung erlebt in der deutschen und europäischen Startup-Szene eine neue Aufmerksamkeit. Während viele junge Unternehmen bislang vor allem auf digitale Performance-Kanäle setzten, rückt nun die gezielte Markenbildung im öffentlichen Raum stärker in den Fokus. Nach Angaben von Marktbeobachtern investieren Startups zunehmend in Plakatkampagnen, digitale Außenflächen und gezielte Präsenz an hoch frequentierten Standorten. Diese Entwicklung ist Teil einer breiteren Strategie, die über reine Effizienzoptimierung hinausgeht und auf nachhaltige Sichtbarkeit abzielt.
Beweggründe für den Strategiewechsel
Die Entscheidung vieler Startups, Außenwerbung als ergänzenden Marketingkanal zu nutzen, basiert auf mehreren Faktoren. Digitale Werbeplattformen wie Facebook, Instagram oder Google Ads sind in den vergangenen Jahren teurer und wettbewerbsintensiver geworden. Gleichzeitig berichten Unternehmen von einer zunehmenden Sättigung der Zielgruppen durch digitale Anzeigenformate. Außenwerbung bietet hier eine Möglichkeit, neue Nutzergruppen außerhalb algorithmischer Filterblasen zu erreichen und die eigene Marke im Alltag sichtbar zu machen.
Beispiele wie die Kampagne der Investmentplattform Scalable Capital, die mit einem prägnanten Slogan und reduziertem Design Aufmerksamkeit erzielte, zeigen, wie gezielte Außenwerbung auch für junge Unternehmen Wirkung entfalten kann. Auch das Pet-Health-Startup Mammaly und die Sprachlern-App Duolingo nutzten Außenwerbung, um spezifische Zielgruppen im urbanen Raum anzusprechen. Die Auswahl der Standorte und die Integration in digitale Strategien spielen dabei eine zentrale Rolle.
Messbare Effekte und Herausforderungen
Nach Angaben von Mediaagenturen lassen sich in Städten, in denen Startups Außenwerbung einsetzen, teils deutliche Steigerungen bei Aktivierungs- und Abschlussraten beobachten. So wurde beispielsweise bei einer Kampagne von Accountable eine um 22 Prozent höhere Aktivierungsrate und ein Anstieg der Registrierungsabschlüsse um 4,1 Prozentpunkte gemessen. Diese Zahlen beziehen sich auf den Zeitraum und die Regionen, in denen die Kampagne sichtbar war. Unabhängige Vergleiche mit anderen Marketingkanälen liegen jedoch bislang nur begrenzt vor.
Die Wirkung von Außenwerbung hängt stark von der Auswahl der Standorte, der Gestaltung der Botschaften und der Integration in die Gesamtstrategie ab. Digitale Außenwerbung (DOOH) ermöglicht zudem eine flexiblere Steuerung und bessere Messbarkeit als klassische Plakate. Dennoch bleibt die Attribution von Werbewirkung im Vergleich zu digitalen Kanälen eine Herausforderung. Die Kosten für Außenwerbung variieren je nach Stadt, Standort und Format erheblich und sind für viele Startups nur im Rahmen gezielter Kampagnen tragbar.
Markt- und Investitionskontext
Der Trend zur Außenwerbung ist auch vor dem Hintergrund des anhaltenden Drucks auf Startups zu sehen, schnell Reichweite und Markenvertrauen aufzubauen. Investoren erwarten häufig eine zügige Skalierung, die mit rein digitalen Kanälen an ihre Grenzen stößt. Außenwerbung wird daher als zusätzlicher Hebel genutzt, um neue Zielgruppen zu erschließen und das eigene Wachstum zu beschleunigen. In der deutschen Startup-Landschaft ist diese Entwicklung Teil einer breiteren Professionalisierung der Marketingstrategien, wie sie auch in anderen europäischen Märkten zu beobachten ist.
Vergleichbare Tendenzen zeigen sich in anderen Sektoren, etwa bei Finanzierungsrunden und Übernahmen, die die Sichtbarkeit und das Wachstum von Startups beeinflussen. Ein Überblick über aktuelle Investitionen und Marktbewegungen findet sich beispielsweise in der Analyse zu aktuellen Finanzierungsrunden und Übernahmen in der Startup-Landschaft. Die Kombination aus digitaler und analoger Markenpräsenz wird zunehmend als strategischer Vorteil bewertet.
Die Entwicklung zeigt, dass Außenwerbung und digitale Kanäle nicht im Widerspruch stehen, sondern sich ergänzen können. Die Herausforderung für Startups besteht darin, die richtige Balance zwischen Reichweite, Kosten und messbarer Wirkung zu finden. Die weitere Entwicklung hängt von der wirtschaftlichen Lage, den Werbepreisen und der Innovationskraft der Anbieter ab.
Außenwerbung, auch als Out-of-Home (OOH) bezeichnet, umfasst sämtliche Werbeformen im öffentlichen Raum - von klassischen Plakaten über digitale Screens bis hin zu Verkehrsmitteln. Im Unterschied zu digitalen Kanälen ist OOH weniger von Algorithmen und Nutzerprofilen abhängig. Digitale Außenwerbung (DOOH) ermöglicht heute eine gezieltere Aussteuerung und bessere Messbarkeit, bleibt aber in der Attribution komplex. Für Startups bietet OOH die Chance, Markenbekanntheit und Vertrauen aufzubauen, erfordert jedoch eine sorgfältige Planung und Integration in die Gesamtstrategie.