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TÜV will bis 2026 ein Siegel für vertrauenswürdige KI-Systeme schaffen

Nil Bed Autor für Kapitalmärkte und Banking Glocalist Press

Verfasst von Nil Bed

TÜV will bis 2026 ein Siegel für vertrauenswürdige KI-Systeme schaffen Glocalist Press © glocalist.press
TÜV will bis 2026 ein Siegel für vertrauenswürdige KI-Systeme schaffen © glocalist.press

Der TÜV-Verband arbeitet an einer Zertifizierung für KI-Systeme. Firmen sollen damit zeigen können, dass ihre KI-Anwendungen sicher und zuverlässig laufen. Der Start ist für Ende 2026 geplant.

Die unabhängige Prüfung von KI-Systemen steht vor einem Umbruch. Der TÜV-Verband entwickelt ein neues Rahmenprogramm, das erstmals eine einheitliche Zertifizierung für künstliche Intelligenz bringen soll. Unternehmen bekommen damit die Möglichkeit, die Qualität und Sicherheit ihrer KI-Anwendungen unabhängig nachzuweisen. Die Markteinführung ist für Ende 2026 geplant.

Unabhängige Zertifizierung als Reaktion auf neue Regeln

Mit dem geplanten Zertifizierungsrahmen reagiert der TÜV-Verband auf die steigenden Anforderungen an Transparenz und Sicherheit im KI-Markt. KI-Systeme kommen schon heute in sensiblen Bereichen wie Industrie, Medizin, Fahrassistenz oder Recruiting zum Einsatz. Fehlerhafte oder diskriminierende Ergebnisse können für Menschen und Unternehmen schwerwiegende Folgen haben. Der europäische AI Act gibt einen verbindlichen Rechtsrahmen vor. Viele Unternehmen suchen aber zusätzlich einen unabhängigen Nachweis für die Zuverlässigkeit ihrer Systeme.

Genau hier setzt das neue TÜV-Programm an. Hersteller und Anbieter können ihre KI-Systeme nach festen Kriterien prüfen lassen. Die Zertifizierung wird mit Pilotpartnern unter echten Bedingungen getestet, um die Anforderungen praxistauglich zu machen. Die Koordination übernimmt der TÜV-Verband. Das TÜV AI.Lab entwickelt die fachlichen Grundlagen und Prüfkataloge. Schon in der Pilotphase werden Erfahrungen aus der Praxis gesammelt und in die Weiterentwicklung eingebracht.

Drei Stufen für verschiedene KI-Anwendungen

Das Programm sieht drei Zertifizierungsstufen vor, je nach Einsatzgebiet und Risiko. Die erste Stufe richtet sich an KI-Systeme, die nicht als Hochrisiko-Anwendungen nach dem AI Act gelten. Hier werden grundlegende Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen geprüft. Die zweite Stufe steht allen KI-Systemen offen. Sie umfasst eine strukturierte Risikobewertung und eine Überprüfung beim Hersteller vor Ort. In der dritten Stufe werden ausgewählte Eigenschaften des KI-Systems zusätzlich durch unabhängige technische Tests geprüft. So sollen Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit noch genauer bewertet werden.

Die unabhängige Prüfung neuer KI-Modelle ist ein zentraler Baustein für Vertrauen und Sicherheit. Das neue Zertifizierungsprogramm soll Unternehmen eine nachvollziehbare Möglichkeit bieten, die Qualität und Sicherheit ihrer KI-Lösungen zu belegen.

Welche Stufe zum Einsatz kommt, hängt vom jeweiligen Anwendungsfall und dem gewünschten Nachweis ab. Das Programm ist mit den Vorgaben des europäischen AI Act abgestimmt und ergänzt diese um risikobasierte und technische Prüfungen. Nach Angaben des TÜV-Verbandes fließen die Erfahrungen aus der Pilotphase direkt in die Weiterentwicklung ein. Für Hochrisiko-KI-Systeme gelten die strengeren Anforderungen des EU AI Act laut aktuellen Veröffentlichungen erst ab Ende 2027. Unternehmen haben dadurch mehr Zeit, sich anzupassen. Die Zertifizierung kann so als Brücke zwischen freiwilligen Industriestandards und künftigen gesetzlichen Pflichten dienen.

Markteinführung und offene Fragen zur Akzeptanz

Die Einführung des Zertifizierungsprogramms ist für Ende 2026 geplant. Bis dahin werden die Prüfverfahren mit Pilotpartnern weiter getestet und angepasst. Für KI-Systeme, die vor dem 2. August 2026 auf den Markt kommen, gilt laut TÜV-Verband ein verlängerter Übergangszeitraum für die maschinenlesbare Kennzeichnung bis zum 2. Dezember 2026. Noch ist offen, wie schnell und in welchem Umfang Unternehmen die neuen Zertifizierungen nutzen werden. Die Nachfrage nach unabhängigen Nachweisen steigt, aber die Akzeptanz hängt auch davon ab, wie Kunden, Geschäftspartner und Behörden das Siegel bewerten.

Vergleichbare Initiativen zur unabhängigen Prüfung digitaler Systeme gibt es bereits in anderen Technologiebereichen. Bei Cloud-Diensten für Zahlungssicherheit etwa liegen frühere Berichte vor. In Österreich ist mit TRUSTED AI von TRUSTIFAI schon eine unabhängige Zertifizierung für KI-Systeme verfügbar, entwickelt von TÜV AUSTRIA, SCCH und JKU. Das zeigt: Der DACH-Raum sammelt bereits praktische Erfahrungen mit KI-Zertifizierungen, und der Markt für vertrauenswürdige KI-Lösungen wächst.

Technische und regulatorische Einordnung

Die Entwicklung des Zertifizierungsrahmens läuft eng abgestimmt mit den TÜV-Organisationen und dem TÜV AI.Lab. Experten bringen ihre Erfahrungen aus der Prüfung und Bewertung von KI-Systemen ein. Die Zertifizierung soll nicht nur die gesetzlichen Mindestanforderungen abdecken, sondern auch technische Punkte wie Risikomanagement, Dokumentation und Nachvollziehbarkeit der Systeme. Damit ergänzt das Programm die europäische KI-Verordnung und nimmt gezielt Herausforderungen auf, die beim Einsatz von KI in kritischen Anwendungen entstehen. Die Orientierung an europäischen Normen und die Einbindung von IT-Sicherheitsanforderungen, wie sie etwa das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) für kritische Infrastrukturen vorgibt, stärken die Glaubwürdigkeit des Ansatzes. Mehr zu aktuellen IT-Sicherheitsstandards gibt es im BSI-Portal für Künstliche Intelligenz.

Die geplante Zertifizierung für KI-Systeme durch den TÜV-Verband ist ein wichtiger Schritt für mehr Transparenz und Nachvollziehbarkeit im europäischen KI-Markt. Der AI Act setzt den rechtlichen Rahmen. Die unabhängige technische Prüfung bleibt aber ein zentrales Werkzeug, um Vertrauen bei Unternehmen und Nutzern zu schaffen. Entscheidend wird sein, ob die Zertifizierung in der Praxis als Qualitätsmerkmal anerkannt wird und Unternehmen bereit sind, die Anforderungen zu erfüllen. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob sich der TÜV-Ansatz als Standard für vertrauenswürdige KI durchsetzt.

Eine Zertifizierung ist ein formales Verfahren, bei dem ein unabhängiger Dritter prüft, ob festgelegte Anforderungen eingehalten werden. Bei KI-Systemen umfasst das sowohl technische als auch organisatorische Kriterien, etwa zur Risikobewertung, Dokumentation und Qualitätssicherung. Zertifizierungen können freiwillig oder verpflichtend sein und dienen Unternehmen als Nachweis gegenüber Kunden, Partnern und Behörden. Im Bereich künstliche Intelligenz wird die Zertifizierung wichtiger, weil gesetzliche Vorgaben wie der AI Act nicht alle praktischen Risiken abdecken und der Markt zusätzliche Orientierung verlangt.

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