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Telekom setzt auf europäische Kontrolle bei KI und Cloud-Infrastruktur

Nil Bed Autor für Kapitalmärkte und Banking Glocalist Press

Verfasst von Nil Bed

Telekom setzt auf europäische Kontrolle bei KI und Cloud-Infrastruktur Glocalist Press © glocalist.press
Telekom setzt auf europäische Kontrolle bei KI und Cloud-Infrastruktur © glocalist.press

Telekom und Siemens betonen die Notwendigkeit europäischer Kontrolle über Daten und KI-Infrastruktur. Warum die Abhängigkeit von US-Anbietern bleibt und welche wirtschaftlichen Chancen und Grenzen bestehen

Die Diskussion um digitale Souveränität in Deutschland hat einen neuen Schwerpunkt erhalten: Telekom und Siemens stellen klar, dass Kontrolle über Daten und Technologie nicht mit Abschottung gleichzusetzen ist. Während die Nachfrage nach KI-Infrastruktur und Cloud-Diensten weiter steigt, bleibt die Abhängigkeit von US-Technologie ein ungelöstes Problem. Die Telekom kündigte in Köln an, ihre Kapazitäten für Datenverarbeitung und KI-Anwendungen auszubauen, um der steigenden Auslastung zu begegnen. Doch die entscheidenden Komponenten, etwa Hochleistungs-Chips für KI, stammen weiterhin von US-Anbietern wie NVIDIA.

Europäische Kontrolle statt Protektionismus

Telekom-Chef Tim Höttges betonte, dass digitale Souveränität für ihn vor allem Kontrolle über Daten, Prozesse und Technologien bedeutet. Die Telekom verfolgt einen Ansatz, bei dem internationale Spitzentechnologie mit europäischer Kontrolle kombiniert wird. So werden KI-Chips aus den USA in deutschen Rechenzentren betrieben, und Unternehmenssoftware wie ServiceNow läuft auf der eigenen T-Cloud-Infrastruktur. Seit März ist T-Systems als "Sovereign Partner Cloud Provider" von ServiceNow zertifiziert. Die Software bleibt US-amerikanisch, aber Datenhaltung und Betrieb können nach deutschen oder europäischen Standards organisiert werden.

Auch andere Unternehmen setzen auf hybride Modelle: Die Telekom-Tochter T-Systems bietet US-Software auf europäischer Infrastruktur an, um regulatorische Anforderungen und Kundenwünsche nach Datenkontrolle zu erfüllen. Dennoch bleibt die technologische Basis oft außerhalb Europas. Die Debatte um digitale Souveränität ist damit weniger eine Frage des Herkunftslands der Technologie als der tatsächlichen Kontrolle über Betrieb und Datenflüsse.

Wirtschaftliche Chancen und strukturelle Abhängigkeiten

Siemens-Chef Roland Busch sieht in der Verbindung von industrieller Stärke mit Künstlicher Intelligenz ein erhebliches Potenzial für Deutschland. Er fordert jedoch mehr Tempo bei der Umsetzung: Während China industrielle Digitalisierung und KI rasch vorantreibt, müsse Deutschland die eigenen Stärken konsequenter nutzen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst warnt vor einseitigen technologischen Abhängigkeiten, die staatliche Handlungsfähigkeit und wirtschaftliche Stärke gefährden könnten. Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft könnte die Kombination von Industrie und generativer KI bis zu 300 Milliarden Euro zusätzliche Bruttowertschöpfung ermöglichen - vorausgesetzt, die Integration gelingt praktisch und nicht nur auf dem Papier.

Die strukturelle Abhängigkeit von US-Cloud-Anbietern bleibt jedoch ein zentrales Hindernis. Laut einer Bitkom-Umfrage halten 85 Prozent der befragten Unternehmen Deutschland für zu abhängig von US-Cloud-Anbietern. 80 Prozent wünschen sich große Anbieter aus Deutschland oder Europa, doch 43 Prozent sehen derzeit keine gleichwertige europäische Alternative für ihre Anforderungen. Diese Zahlen verdeutlichen, dass der politische Anspruch auf digitale Souveränität bislang nur teilweise in unternehmerische Realität übersetzt werden kann.

Technische Umsetzung und offene Fragen

Die Telekom verweist darauf, dass digitale Souveränität nicht auf Kosten von Leistung oder Innovation gehen dürfe. Das Unternehmen will sowohl souveräne Infrastruktur als auch leistungsfähige Anwendungen bereitstellen - von Konnektivität über Rechenzentren und Cloud bis zu KI-gestützten Geschäftsanwendungen. Partner wie SAP, Siemens und ServiceNow sollen helfen, diese Technologien direkt in die Prozesse der Kunden zu integrieren. Doch die Abhängigkeit von US-Hardware und Software bleibt ein strukturelles Risiko, das sich kurzfristig kaum auflösen lässt.

Die Frage, wie weit europäische Anbieter tatsächlich mit den globalen Technologieführern mithalten können, bleibt offen. Während einzelne Initiativen wie die Zertifizierung als "Sovereign Partner Cloud Provider" Fortschritte markieren, ist die technologische Basis weiterhin von außereuropäischen Komponenten geprägt. Auch in anderen Bereichen, etwa bei KI-Agenten und automatisierten Zahlungssystemen, zeigt sich die Dominanz internationaler Plattformen, wie berichtet wurde.

Die aktuelle Strategie der Telekom und ihrer Partner ist daher ein pragmatischer Kompromiss: Europäische Kontrolle über Betrieb und Daten, aber keine vollständige Unabhängigkeit von US-Technologie. Die wirtschaftlichen Chancen durch KI und Digitalisierung sind real, doch ohne eigene Halbleiter- und Cloud-Infrastruktur bleibt Europa auf zentrale Komponenten aus den USA angewiesen. Wer von digitaler Souveränität spricht, muss die Grenzen der aktuellen Ansätze benennen - und die politischen wie wirtschaftlichen Kosten einer echten Unabhängigkeit realistisch einschätzen.

Digitale Souveränität bezeichnet die Fähigkeit von Staaten, Unternehmen oder Institutionen, Kontrolle über ihre eigenen digitalen Infrastrukturen, Daten und Technologien auszuüben. Sie umfasst sowohl rechtliche als auch technische Aspekte, etwa die Wahl des Datenstandorts, die Kontrolle über Zugriffsrechte und die Möglichkeit, kritische Systeme unabhängig von externen Anbietern zu betreiben. In der Praxis ist vollständige Souveränität selten erreichbar, da viele Schlüsseltechnologien - insbesondere im Bereich Halbleiter und Cloud - von wenigen internationalen Anbietern dominiert werden. Der Begriff gewinnt an Bedeutung, weil regulatorische Anforderungen, Datenschutz und geopolitische Risiken die Abhängigkeit von Drittanbietern zunehmend problematisch machen.Schlagwörter: Deutsche Telekom, Digitale Souveränität, Cloud-Computing

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