Mit einem neuen KI-Werkzeug wollen Thought Machine und AWS die Migration von Kernbankensystemen vereinfachen. Das Ziel: weniger Risiko, mehr Tempo bei der digitalen Transformation von Banken.
Am 29. September 2026 haben Thought Machine und AWS ein neues Werkzeug vorgestellt. Es soll Banken helfen, alte Kernbankensysteme schneller und sicherer in die Cloud zu bringen. Die beiden Unternehmen setzen dabei auf künstliche Intelligenz. Sie wollen Abläufe automatisieren und Fehlerquellen verringern. Die Risiken solcher Projekte sind bekannt. Jetzt gibt es einen neuen Ansatz.
KI und Automatisierung für Legacy-Systeme
Das Tool entsteht aus der Partnerschaft von AWS und Thought Machine. Es richtet sich an Banken, die ihre alten Systeme in eine sichere AWS-Umgebung migrieren wollen. Im Mittelpunkt steht die Verbindung von AWS Transform und Vault Forge. Laut Anbieter kann das die Dauer von Migrationsprojekten von mehreren Jahren auf wenige Tage verkürzen. Möglich machen das sogenannte Modernisation Agents. Sie kommen erstmals bei Thought Machine zum Einsatz. Diese Agents extrahieren Geschäftsregeln automatisch. Bisher mussten Entwickler Code Zeile für Zeile übersetzen. Das ändert sich jetzt.
Technisch verarbeitet das System Millionen Zeilen Mainframe-Code, etwa in COBOL. Es wandelt sie in getestete Finanzprodukte um. Das passiert in einer Live-Sandbox-Umgebung. Die Migration läuft in vier klaren Schritten ab: Extraction, Consolidation, Synthesis und Validation. Besonders bei der Validierung greifen Menschen ein. Banken behalten das letzte Wort. So erfüllen sie die Anforderungen an Nachvollziehbarkeit und Kontrolle.
Die Modernisierung von Kernbankensystemen erfordert nicht nur technologische Innovation, sondern auch die konsequente Einhaltung von IT-Sicherheitsstandards nach BSI-Vorgaben. Die Integration von KI-Lösungen muss dabei stets mit einem risikobasierten Ansatz und regelmäßigen Auditierungen verbunden sein.
Thought Machine bietet mit Vault eine cloud-native Core-Banking-Plattform. Finanzprodukte werden dort komplett in Python abgebildet. Das neue Werkzeug setzt genau hier an. Es überführt alte Logik automatisch in moderne, cloudbasierte Python-Produkte. Unabhängige Branchenanalysen sehen darin einen möglichen Wendepunkt. Banken könnten so komplexe Mainframe-Spezifikationen in simulierten, cloud-nativen Produkten testen. Das spart Zeit und Kosten.
Für Banken in Deutschland und Europa ist die Modernisierung der IT-Landschaft Pflicht. Es geht nicht nur um Effizienz. Auch die Einhaltung von Regeln zählt. Die BaFin und das BSI verlangen strenge IT-Sicherheits- und Datenschutzstandards. Das gilt besonders bei der Migration kritischer Infrastrukturen. Die neue Lösung von AWS und Thought Machine greift diese Vorgaben auf. Sie bietet ein mehrstufiges Validierungskonzept. Migrationen lassen sich in einer kontrollierten Sandbox testen. Wer mehr zu den regulatorischen Anforderungen und IT-Sicherheitsstandards im Finanzsektor wissen will, findet Details im BSI-Branchenportal.
Die Kooperation von Thought Machine und AWS zeigt, wie internationale Tech-Anbieter auf Banken zugehen, die ihre IT erneuern wollen. Für den deutschen Markt bleibt offen, ob die versprochene Reduktion von Komplexität und Risiken gelingt. Entscheidend ist, wie sich die Lösung im Zusammenspiel mit lokalen Regeln bewährt. Die Zukunft der Bankenmigration hängt davon ab, ob KI und Automatisierung die Vorgaben aus EU-DSGVO und BSI-Standards wirklich erfüllen.
Kernbankenmigration bedeutet, zentrale IT-Systeme auszutauschen. Sie steuern alle Konten, Transaktionen und Prozesse einer Bank. Solche Projekte sind technisch und organisatorisch schwierig. Der laufende Betrieb darf nicht gestört werden. Die Regeln sind streng. Künstliche Intelligenz soll helfen, Fehler früh zu erkennen und Abläufe zu automatisieren. Ob KI-Tools die Migration wirklich sicherer und effizienter machen, hängt von der Qualität der Umsetzung ab. Jede Bank muss das für sich prüfen.