• 3 Minuten Lesezeit
  • Veröffentlicht

US-Banken kritisieren Stablecoin-Gesetzentwurf wegen Risiken für Einlagensicherheit

Nils Bedke Autor für Kapitalmärkte und Banking Glocalist Press

Verfasst von Nils Bedke

US-Banken kritisieren Stablecoin-Gesetzentwurf wegen Risiken für Einlagensicherheit Glocalist Press © glocalist.press
US-Banken kritisieren Stablecoin-Gesetzentwurf wegen Risiken für Einlagensicherheit © glocalist.press

Bankenverbände in den USA warnen vor dem aktuellen Stablecoin-Gesetzentwurf im Senat. Sie sehen in der geplanten Regelung zu Belohnungsprogrammen eine Gefahr für die Stabilität klassischer Bankeinlagen

Die Debatte um die Regulierung von Stablecoins in den USA hat eine neue Wendung genommen. Mehrere große Bankenverbände, darunter die American Bankers Association und das Bank Policy Institute, haben sich öffentlich gegen einen aktuellen Gesetzentwurf im US-Senat positioniert. Im Zentrum der Kritik steht eine Regelung, die es Krypto-Börsen ermöglichen könnte, im Rahmen von Belohnungsprogrammen Zinsen auf Stablecoin-Guthaben zu zahlen. Die Banken sehen darin ein strukturelles Risiko für die Stabilität traditioneller Bankeinlagen.

Kritik an Belohnungsprogrammen für Stablecoins

Nach Angaben der beteiligten Bankenverbände enthält der Gesetzentwurf eine Lücke, die es Krypto-Plattformen erlauben würde, Nutzern im Rahmen von Mitgliedschaftsprogrammen Zinsen oder ähnliche Erträge auf Stablecoin-Bestände zu gewähren. Aus Sicht der Banken könnten solche Programme dazu führen, dass Kundeneinlagen von klassischen Banken zu Krypto-Börsen abwandern, auch wenn die Gelder im Finanzsystem verbleiben. Die Verbände argumentieren, dass dies die Liquidität und Kreditvergabe der Banken beeinträchtigen könnte.

Gesetzgebungsverfahren und politische Unsicherheit

Der Stablecoin-Gesetzentwurf wird im US-Senat bereits seit Januar 2026 diskutiert. Die Verhandlungen stocken, seitdem Coinbase seine Unterstützung für den Entwurf zurückgezogen hat. Im Mai 2026 hatten sowohl Coinbase als auch die demokratische Senatorin Angela Alsobrooks öffentlich erklärt, dass eine Einigung zur Frage der Stablecoin-Renditen erzielt worden sei. Die jüngste Stellungnahme der Bankenverbände widerspricht dieser Einschätzung und macht deutlich, dass weiterhin erheblicher Dissens besteht.

Auswirkungen auf den US-Finanzmarkt

Die Bankenverbände kündigten an, in den kommenden Tagen konkrete Änderungsvorschläge für den Gesetzentwurf vorzulegen. Die öffentliche Kritik signalisiert, dass die Branche politischen Druck aufbaut, um die Interessen traditioneller Banken zu schützen. Die Frage, ob Stablecoins mit Belohnungsprogrammen als bankähnliche Anlageprodukte gelten könnten, ist Teil einer breiteren Debatte über die Integration digitaler Vermögenswerte in das US-Finanzsystem. Dabei geht es auch um die Abgrenzung zwischen regulierten Banken und Krypto-Plattformen sowie um Fragen des Verbraucherschutzes und der Aufsicht.

Die weitere Entwicklung bleibt offen. Es ist unklar, ob und wann der Gesetzentwurf in einer Form verabschiedet wird, die sowohl den Anforderungen der Banken als auch den Interessen der Krypto-Branche gerecht wird. Für den deutschen und europäischen Markt ist die Debatte relevant, da die Regulierung von Stablecoins und digitalen Vermögenswerten auch in der EU - etwa im Rahmen von MiCA - intensiv diskutiert wird.

Stablecoins sind digitale Vermögenswerte, deren Wert in der Regel an eine klassische Währung wie den US-Dollar gekoppelt ist. Sie werden häufig als Zahlungsmittel auf Krypto-Börsen eingesetzt und gelten als Bindeglied zwischen dem traditionellen Finanzsystem und der Welt der Kryptowährungen. Die Frage, ob und wie Stablecoins reguliert werden, ist international umstritten. In den USA steht dabei insbesondere die Abgrenzung zu klassischen Bankprodukten und die Sicherung der Finanzmarktstabilität im Fokus.

Ähnliche Artikel