Zijin Mining investiert 1,558 Milliarden Yuan in Photovoltaik- und Speicherprojekte in Südamerika. Damit stellt der Konzern die Energieversorgung seiner Minen grundlegend um.
In abgelegenen Minen war Dieselstrom jahrzehntelang Standard. Jetzt bricht Zijin Mining mit dieser Tradition. Das Unternehmen steckt 1,558 Milliarden Yuan in neue Photovoltaik- und Speicheranlagen in Südamerika. Ziel: Die Stromversorgung der Minen in Suriname und Guyana wird neu aufgestellt. Die Kostenstruktur soll sich dauerhaft ändern. Die Tochter Zijin Longking Clean Energy übernimmt die Umsetzung. Das Ganze ist Teil einer Strategie, die Energieversorgung an internationalen Standorten zu dekarbonisieren und zu modernisieren.
Investitionspaket für drei Standorte
Am 23. September 2026, nach Börsenschluss, veröffentlichte Zijin Mining drei neue Ankündigungen. Es geht um Solar- und Speicherprojekte in Südamerika. Für die Goldmine Rosebel in Suriname ist eine Photovoltaikanlage mit 170 MWp und ein Speicher mit 120 MW/120 MWh geplant. Die Goldmine Aurora in Guyana bekommt eine 45 MWp-Anlage und 50 MW/100 MWh Speicher. Eine weitere Aufbereitungsanlage erhält 15 MWp und 20 MW/80 MWh. Zusammen ergibt das 230 MWp Photovoltaikleistung und 300 MWh Speicherkapazität. Die Gesamtinvestition liegt bei rund 232 Millionen US-Dollar, etwa 218 Millionen Euro. Alles wird aus Eigenmitteln finanziert. Es gibt keine externe Projektverschuldung. Für Rosebel sind rund 150 Millionen US-Dollar vorgesehen, für den untertägigen Aurora-Abschnitt etwa 55 Millionen US-Dollar und für die Aufbereitungsanlage 27 Millionen US-Dollar.
Alle Projekte setzen auf Eigenstrom. Dieselgeneratoren sollen als Hauptquelle abgelöst werden. In abgelegenen Minen sind die Stromkosten traditionell hoch. Über 80 Prozent der großen Bergwerke weltweit liegen mehr als 200 Kilometer vom öffentlichen Netz entfernt. Ein Netzausbau ist teuer. Die Anschlussrate bleibt gering. Dieselgeneratoren sind deshalb Standard. Das hat wirtschaftliche Folgen. Die geplanten Solar- und Speicheranlagen erfüllen internationale Normen wie DIN EN 50583 für Photovoltaiksysteme. Sie berücksichtigen Vorgaben zur Netzstabilität und Versorgungssicherheit, wie sie etwa die Bundesnetzagentur für Europa vorgibt.
Diesel als Kostenfalle im Bergbau
Dieselstrom treibt die Betriebskosten der Minen nach oben. Laut Zijin Mining liegen die Kosten für Dieselstrom in abgelegenen ausländischen Minen zwischen 0,4 und 1,0 US-Dollar pro Kilowattstunde. In manchen Regionen ist es noch teurer. Der Dieselpreis kann bis zu 3,5 US-Dollar pro Liter erreichen. Ein Liter Diesel liefert etwa 3,5 kWh Strom. In Spitzenzeiten kostet Strom fast 1 US-Dollar pro kWh. Oft laufen Dieselgeneratoren im unwirtschaftlichen Teillastbetrieb. Sie müssen auch bei geringer Auslastung für Netzstabilität und Spitzenlasten bereitstehen. Der Treibstoffverbrauch macht 30 bis 45 Prozent der gesamten Betriebskosten aus. Schwankende Ölpreise schlagen direkt auf die Bilanz der Minen durch.
Die Projekte von Zijin Mining in Suriname und Guyana sind gezielt darauf ausgerichtet, die bisherige Dieselstromversorgung durch Solarenergie und Batteriespeicher zu ersetzen. Für Rosebel handelt es sich bereits um die zweite Phase eines Solar-plus-Storage-Programms, was die fortschreitende energetische Modernisierung unterstreicht.
Zijin Mining koppelt die Strompreise der neuen Solar- und Speicherprojekte an die Dieselpreise. Für die Projekte in Guyana wird der Abrechnungspreis als Mittelwert aus aktuellen Dieselstromkosten und den Kosten der neuen Anlagen berechnet. Nur die Hälfte dieses Werts wird angesetzt. So wird die Unsicherheit der Ölpreisentwicklung in ein kalkulierbares Preismodell überführt. Die Reaktion am Markt kam sofort. Zwischen dem 24. und 26. September 2026 stiegen die Aktienkurse von Zijin Longking deutlich. Die Erwartungen an Wirtschaftlichkeit und Skalierbarkeit sind hoch.
Technologischer Wandel durch Mikronetze
Solar-Speicher-Mikronetze sind wirtschaftlicher geworden. Bis Mai 2026 sanken die Stromgestehungskosten solcher Systeme auf 0,6 bis 0,7 Yuan pro kWh. Sie nähern sich damit den Preisen des öffentlichen Netzes an. Photovoltaikmodule und Lithium-Ionen-Batterien sind deutlich günstiger geworden. Die Investitionskosten haben sich halbiert. In Brasilien, der Demokratischen Republik Kongo und Sambia laufen bereits ähnliche hybride Mikronetze. Dort steigt der Anteil von Grünstrom am Gesamtverbrauch auf bis zu 95 Prozent. Die Betriebskosten der Minen sinken spürbar. Dieselgeneratoren dienen künftig nur noch als Notfallreserve. Photovoltaik und Speicher übernehmen die Hauptlast. Die Strategie von Zijin Mining folgt einem internationalen Trend. Auch andere Projekte setzen auf Windkraft und Batteriespeicher, wie der Brandenburger Energiepark zeigt.
Marktpotenzial und Skaleneffekte
Zijin Mining rechnet vor: Die drei neuen Anlagen in Südamerika liefern jährlich rund 244 Millionen kWh Strom. Sie könnten etwa 38,8 Prozent des Dieselverbrauchs der betroffenen Minen ersetzen. Für das zweite Projekt in Suriname ist eine Betriebsdauer von 20 Jahren vorgesehen. Der erwartete Abrechnungspreis liegt bei etwa 0,12 US-Dollar pro kWh. Die Goldproduktion der Mine Rosebel stieg im ersten Halbjahr 2026 um 15 Prozent auf 3,8 Tonnen. Die Gesamtkosten pro Unze Gold (AISC) sanken auf 1701 US-Dollar. Der Ausbau von Solar- und Speicheranlagen in Ländern wie Serbien, Guyana, der Demokratischen Republik Kongo und Suriname verschafft Zijin Mining Zugang zu über 3 GW Grünstromressourcen. Der Anlagenwert liegt bei rund 9,3 Milliarden Yuan. Mit zunehmender Skalierung sinken die Grenzkosten. Die Amortisationszeit wird kürzer.
Das Marktpotenzial für Solar- und Speicherlösungen im Bergbau ist groß. Minen weltweit verbrauchen jährlich etwa 40 Millionen Tonnen Diesel. Wenn Solar- und Speicheranlagen 70 Prozent der Stromkosten einsparen, ergibt sich ein jährliches Marktvolumen von 25 bis 49,4 Milliarden US-Dollar. Die Investition von Zijin Mining ist im internationalen Vergleich nicht außergewöhnlich hoch. Trotzdem ist sie ein strategischer Richtungswechsel. Strom wird vom zugekauften Kostenfaktor zum internen Wertschöpfungselement. Die Umsetzung solcher Projekte verlangt die Einhaltung internationaler und europäischer Normen für Energiesicherheit und Cybersecurity. Dazu zählen Vorgaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) im Rahmen der KRITIS-Verordnung und der DIN EN ISO/IEC 27001 für Informationssicherheitsmanagement.
Zijin Mining setzt mit der Investition in Solar- und Speichertechnologien ein Zeichen für die Branche. Sinkende Kosten für Photovoltaik und Speicher, steigende Dieselpreise und wachsender Kostendruck machen Eigenstrom aus erneuerbaren Quellen für abgelegene Minen attraktiv. Staatliche Subventionen oder Einnahmen aus Emissionshandel spielen hier keine Rolle. Es zählt das kaufmännische Kalkül. Selbst erzeugter Strom ist günstiger als importierter Dieselstrom. Für deutsche und europäische Unternehmen, die auf Rohstoffe aus internationalen Minen angewiesen sind, bleibt eine Frage offen. Wie wirken sich solche Investitionen langfristig auf Lieferketten, Kosten und Nachhaltigkeitsziele aus?
Ein Mikronetz ist ein lokales, meist netzunabhängiges Stromsystem. Es kombiniert verschiedene Energiequellen wie Photovoltaik, Windkraft, Batteriespeicher und manchmal Dieselgeneratoren. Ziel ist eine stabile, effiziente und möglichst günstige Stromversorgung für abgelegene Standorte. Mikronetze reagieren flexibel auf Lastschwankungen. Sie machen erneuerbare Energien auch dort nutzbar, wo ein Anschluss ans öffentliche Netz nicht wirtschaftlich oder technisch sinnvoll ist. Die Wirtschaftlichkeit hängt vor allem von den Investitionskosten für Photovoltaik und Speicher sowie von den Betriebskosten alternativer Stromquellen wie Diesel ab.