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BayernCloud Schule setzt auf europäische Cloud-Infrastruktur für Datenschutz

Nils Bedke Autor für Kapitalmärkte und Banking Glocalist Press

Verfasst von Nils Bedke

BayernCloud Schule setzt auf europäische Cloud-Infrastruktur für Datenschutz Glocalist Press © glocalist.press
BayernCloud Schule setzt auf europäische Cloud-Infrastruktur für Datenschutz © glocalist.press

Das bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus stellt mit BayernCloud Schule eine zentrale, datenschutzkonforme Plattform für staatliche Schulen bereit. Welche technischen und regulatorischen Herausforderungen bleiben, zeigt der aktuelle Stand

Die Digitalisierung des Bildungssektors in Deutschland hat seit der Covid-19-Pandemie an Dynamik gewonnen. Besonders im Schulbereich stehen Fragen der digitalen Souveränität und des Datenschutzes im Mittelpunkt, da Schulen gesetzlich verpflichtet sind, die Daten minderjähriger Schülerinnen und Schüler besonders zu schützen. Eine Studie von next:public aus dem Jahr 2025 verdeutlicht, dass 65 Prozent der befragten Beschäftigten im öffentlichen Sektor eine starke Abhängigkeit von außereuropäischer Software sehen. Diese Abhängigkeit betrifft insbesondere Bildungseinrichtungen, die zunehmend digitale Lernplattformen und Kommunikationsdienste einsetzen.

Technische Umsetzung der BayernCloud Schule

Das bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus (StMUK) hat mit der BayernCloud Schule (ByCS) eine Plattform eingeführt, die zentrale Software-Anwendungen für rund 5.000 staatliche Schulen in Bayern bereitstellt. Ziel ist es, den Zugang zu digitalen Lerninhalten zu erleichtern und gleichzeitig ein hohes Datenschutzniveau zu gewährleisten. Die Plattform umfasst pädagogische Inhalte, Kommunikations- und Kollaborationsdienste wie E-Mail und Cloud-Speicher sowie die Anbindung an einen externen Bildungsserver für digitale Schulbücher. Die Nutzung ist für die Schulen kostenfrei, wobei die Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) im Vordergrund steht.

Im Zuge der Pandemie wurde zunächst auf Microsoft-Team-Lizenzen zurückgegriffen, um kurzfristig Videokonferenzlösungen bereitzustellen. Aufgrund datenschutzrechtlicher Unsicherheiten und der Forderung nach europäischer Datenhaltung wurde jedoch eine neue Lösung gesucht. Die Anforderungen umfassten insbesondere die DSGVO-konforme Speicherung und Verarbeitung aller Daten in europäischen Rechenzentren sowie die Skalierbarkeit für mehr als 1,7 Millionen potenzielle Nutzerinnen und Nutzer.

Europäische Cloud-Infrastruktur und Skalierbarkeit

Nach einer öffentlichen Ausschreibung fiel die Wahl auf die Videokonferenzlösung Visavid des deutschen Anbieters Auctores, die inzwischen als "ViKo" in die ByCS-Plattform integriert ist. Der Betrieb erfolgt auf der Public-Cloud-Infrastruktur von OVHcloud, einem französischen Anbieter mit Rechenzentren in Deutschland. Diese Infrastruktur basiert auf OpenStack und ermöglicht eine dynamische Skalierung der Ressourcen, sodass auch zu Spitzenzeiten bis zu 100.000 parallele Videokonferenzen unterstützt werden können. Für die Zukunft ist eine dynamische Lastverteilung über ein Mesh-System geplant, um die Stabilität und Ausfallsicherheit weiter zu erhöhen.

Die technische Umsetzung sieht vor, dass sämtliche Daten ausschließlich in europäischen Rechenzentren verarbeitet werden. Nach Angaben der beteiligten Unternehmen wird eine Verfügbarkeit von über 99,5 Prozent angestrebt. Die aktuelle Vertragslaufzeit für die Videokonferenzlösung wurde bis 2038 festgelegt. Die Integration in die bestehende Plattformstruktur soll den Schulen einen einheitlichen Zugang zu digitalen Werkzeugen ermöglichen, ohne dass zusätzliche Einzelverträge oder lokale Installationen erforderlich sind.

Regulatorische und marktbezogene Entwicklungen

Die Einführung der BayernCloud Schule steht im Kontext einer breiteren Entwicklung im öffentlichen Sektor, der sich zunehmend von US-amerikanischen Softwareanbietern abwendet. So hat Bayern im Juni 2025 angekündigt, keine weiteren Rahmenverträge mit Microsoft abzuschließen. Schleswig-Holstein verfolgt eine Open-Source-Strategie, um die technologische Souveränität zu stärken. Auf Bundesebene wurde beschlossen, bis März 2027 digital souveräne Alternativen zu proprietärer Software an Arbeitsplatzcomputern bereitzustellen. Auch auf europäischer Ebene gewinnt das Thema an Bedeutung: Künftig soll das EU Cloud Sovereignty Framework bei öffentlichen Ausschreibungen die digitale Souveränität von Anbietern anhand messbarer Kriterien bewerten.

Die Diskussion um digitale Souveränität und Datenschutz im Bildungsbereich ist Teil einer umfassenderen Debatte über die Kontrolle und Sicherheit digitaler Infrastrukturen in Europa. In anderen Sektoren, etwa im Zahlungsverkehr, werden ähnliche Fragen aufgeworfen, wie ein gemeinsames Pilotprojekt von Borderless.xyz und Mastercard zur Standardisierung von Stablecoins zeigt (weitere Einblicke zur internationalen Regulierung digitaler Dienste).

Offene Fragen und Herausforderungen

Obwohl die BayernCloud Schule einen wichtigen Schritt in Richtung digitaler Souveränität markiert, bleiben zentrale Herausforderungen bestehen. Dazu zählen die langfristige Sicherstellung der technischen Skalierbarkeit, die kontinuierliche Anpassung an neue Datenschutzanforderungen und die Integration weiterer digitaler Dienste. Auch die Akzeptanz bei Lehrkräften, Schülerinnen und Schülern sowie Eltern ist ein entscheidender Faktor für den nachhaltigen Erfolg der Plattform. Die tatsächliche Nutzung und die Auswirkungen auf den Unterrichtsalltag werden sich erst im laufenden Betrieb umfassend bewerten lassen.

Ein weiteres offenes Feld ist die Interoperabilität mit anderen Bildungsplattformen und die Möglichkeit, innovative Anwendungen aus dem europäischen Open-Source-Ökosystem einzubinden. Die regulatorischen Rahmenbedingungen entwickeln sich dynamisch weiter, sodass Anpassungen an neue Vorgaben auf nationaler und europäischer Ebene erforderlich sein werden.

Digitale Souveränität bezeichnet die Fähigkeit von Staaten, Institutionen oder Unternehmen, die Kontrolle über ihre digitalen Infrastrukturen, Daten und Anwendungen zu behalten. Im Kontext öffentlicher IT-Infrastruktur bedeutet dies, Abhängigkeiten von außereuropäischen Anbietern zu reduzieren, Datenschutzstandards einzuhalten und die Integrität sensibler Daten zu sichern. Die Umsetzung digitaler Souveränität erfordert nicht nur technische Lösungen, sondern auch klare regulatorische Vorgaben und eine kontinuierliche Überprüfung der eingesetzten Systeme.

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