Die Bürger-Energie-Genossenschaft Pfaffenhofen plant ein KI-Rechenzentrum mit 80 Kilowatt IT-Leistung. Der Betrieb soll im Spätherbst 2026 beginnen und überwiegend Strom aus eigenen erneuerbaren Anlagen nutzen. Projektangaben zu Investition und Zeitplan sind bislang nicht unabhängig bestätigt.
Die Server sollen in zwei Containern laufen. Die Bürger-Energie-Genossenschaft (BEG) Pfaffenhofen plant dafür ein KI-Kraftwerk mit einem Investitionsvolumen von mehr als fünf Millionen Euro. Die erste Ausbaustufe soll im Spätherbst 2026 starten. Die Investitionssumme und der Zeitplan stammen aus Projektangaben; eine unabhängige Bestätigung des aktuellen Umsetzungsstands liegt in den verfügbaren Ergebnissen nicht vor. Belastbare Betriebsdaten gibt es noch nicht.
Strom wird Rechenleistung
Mit dem Vorhaben erweitert die BEG ihr Geschäft um ein digitales Angebot. Über die Plattform Regio AI soll sie KI-Rechenleistung an mittelständische Unternehmen und Forschungseinrichtungen vermarkten. Öffentliche Nutzer sind später ebenfalls vorgesehen. Das Konzept verbindet regionale Energieerzeugung mit Datenverarbeitung vor Ort. Für Unternehmen, die große Sprachmodelle betreiben oder eigene Daten über Retrieval-Augmented Generation (RAG) in KI-Anwendungen einbinden wollen, soll so eine Alternative zu internationalen Public Clouds entstehen.
Der wirtschaftliche Ansatz hängt davon ab, ob sich Stromüberschüsse vor Ort nutzen lassen. Wird Wind- oder Solarstrom andernfalls abgeregelt oder nur gering vergütet, könnte Rechenleistung eine zusätzliche Erlösquelle eröffnen. Ob das im laufenden Betrieb aufgeht, lässt sich vor der Inbetriebnahme nicht beurteilen. Die Genossenschaft gibt an, das Projekt ohne öffentliche Fördermittel umzusetzen. Auch diese Aussage ist in den verfügbaren Ergebnissen nicht unabhängig belegt. Neben dem Strompreis entscheidet die Auslastung über die Wirtschaftlichkeit. Kühlbedarf und Netzentgelte spielen ebenfalls eine Rolle. Hinzu kommen Wartungs- und Ersatzteilkosten.
Server im Container
Die erste Stufe ist laut Projektangaben auf 80 Kilowatt IT-Leistung ausgelegt. Vorgesehen sind fünf Supermicro-Server mit jeweils acht NVIDIA-HGX-B300-GPUs. Server und Infrastruktur für virtuelle Server sowie Backups sollen in einem Container stehen. Die Steuerung kommt ebenfalls dort unter. Ein zweiter Container nimmt die Kältetechnik samt Rückkühlanlage auf. Eine Installation im Turm eines Bürgerwindrads wurde zunächst geprüft, wegen des begrenzten Platzes aber verworfen. Die Angaben zu Leistung und Hardware sind bislang nicht unabhängig bestätigt.
In einem externen Test einer konkreten B300-basierten Anlage wurden rund 2.059 Token pro Sekunde bei 32 gleichzeitigen Nutzern und rund 3.000 Token pro Sekunde bei 64 Nutzern gemessen. Diese Werte sind keine Leistungsprognose für Pfaffenhofen.
Zum Start ist Luftkühlung geplant. Flüssigkühlung wurde wegen der Kosten und der Verfügbarkeit zurückgestellt. Für spätere Ausbaustufen sind Wasser- oder Hybridkühlung vorgesehen. Dann soll auch die Abwärme genutzt werden. Prior1 fertigt die Metallcontainer vorinstalliert und anschlussfertig. Geplant sind eine USV sowie eine automatische Gaslöschanlage. Hinzu kommen Videoüberwachung und ein gesicherter Außenbereich. Die Kältetechnik soll mit Propan (R290) arbeiten.
Der Container soll nach DIN EN 50600 der Verfügbarkeitsklasse VK2 entsprechen. Prior1 soll Energieversorgung und Kühlung über Prior1 360 Monitoring überwachen. Auch sicherheitsrelevante Systeme sollen dort erfasst werden. Die Einstufung beschreibt die geplante Infrastruktur, belegt aber nicht, dass jede darauf betriebene Anwendung ausfallsicher ist. Für Cloud-Dienste bietet der BSI-Kriterienkatalog C5 einen Rahmen für Sicherheitsprüfungen. Er sieht auch transparente Kontrollen vor. Daraus folgt nicht, dass Regio AI bereits geprüft oder zertifiziert ist (BSI-Kriterienkatalog C5).
Versorgung und offene Daten
Der geplante Energiepfad führt zunächst über einen Batteriespeicher. Windstrom und später Strom aus einer geplanten PV-Freifläche sollen dort gespeichert und anschließend für den KI-Container genutzt werden. Reichen Erzeugung und gespeicherte Energie nicht aus, soll das Netz einspringen. Der Speicher soll den Container einen Tag lang versorgen können. Für den Jahresmittelwert kalkuliert die Genossenschaft konservativ mit rund 70 Prozent Strom aus eigenen Wind- und künftigen PV-Anlagen. Der tatsächliche Anteil soll erst nach dem Start erfasst werden. Ein Jahreswert zeigt für sich genommen nicht, wann eigener Strom zeitgleich verfügbar ist. Relevant sind dabei Speicherverluste und Ladezustand. Auch der Lastverlauf beeinflusst die Versorgung.
Am Windpark stehen laut Projektangaben drei Anlagen mit jeweils 4,2 Megawatt Leistung. Zusätzlich plant die BEG eine PV-Freifläche mit vier Megawatt. Ein Batteriespeicher ist ebenfalls vorgesehen. Diese Werte beschreiben Erzeugungskapazitäten und Vorhaben, nicht die tatsächlich verfügbare Strommenge in jeder Betriebsstunde. Offen sind die konkreten Speicherdaten und die Serverauslastung. Auch die Kostenstruktur des Rechenangebots ist noch nicht bekannt. Nach dem Start sollen Monitoringdaten zu Energie und Kühlung zeigen, wann das Netz einspringt. Die IT-Betriebsdaten sollen Aufschluss über Verfügbarkeit und Auslastung geben. Aussagekräftig wären getrennte Werte für den Stromverbrauch der IT und den Gesamtenergieverbrauch der Anlage. So würde auch der Bedarf für Kühlung und Infrastruktur sichtbar.
Die EU-Energieeffizienzrichtlinie sieht für Rechenzentren ab einer installierten IT-Leistungsaufnahme von 500 Kilowatt Berichtspflichten zu Energie- und Nachhaltigkeitskennzahlen vor. Die geplante erste Stufe mit 80 Kilowatt liegt darunter. Eine spätere Ausbaustufe mit rund 500 Kilowatt würde den Schwellenwert erreichen, sofern die installierte IT-Leistungsaufnahme tatsächlich mindestens diese Höhe beträgt. Die Richtlinie belegt nicht, dass das Projekt bereits genehmigt oder angeschlossen ist (EU-Energieeffizienzrichtlinie).
Skalierung nach Standort
Regio AI soll die Plattform betreiben und die Rechenleistung vermarkten. Fsas Technologies war an der Entwicklung des Modells und der technischen Architektur beteiligt. Prior1 liefert die Containerinfrastruktur. Für spätere Ausbaustufen sind Anlagen mit rund 250 und 500 Kilowatt vorgesehen. Welche Größe an einem Standort sinnvoll ist, soll sich nach der verfügbaren Stromkapazität richten. Laut Projektbeschreibung befinden sich vier weitere Standorte in der Genehmigungsphase. Betriebsbereit sind diese KI-Kraftwerke damit noch nicht. Unabhängige Angaben zu Genehmigungen liegen in den verfügbaren Ergebnissen nicht vor. Auch Netzanschlüsse oder verbindliche Inbetriebnahmetermine sind dort nicht belegt.
Das Vorhaben bindet viel Kapital in physische Infrastruktur, bevor Nachfrage und Auslastung im Alltag belegt sind. Anders gelagerte Finanzierungs- und Strategiewechsel im deutschen Technologiesektor beschreibt ein Bericht zu Tech-Finanzierungen. Pfaffenhofen setzt dagegen auf ein energiegebundenes Infrastrukturmodell.
Die Verfügbarkeitsklasse VK2 beschreibt, auf welche Verfügbarkeit die Infrastruktur eines Rechenzentrums ausgelegt ist. Sie sagt nicht automatisch etwas über die Qualität oder Ausfallsicherheit einzelner KI-Anwendungen aus. Für Pfaffenhofen zählen neben der installierten GPU-Leistung die späteren Betriebsdaten: der Anteil des tatsächlich genutzten Eigenstroms, der nötige Netzstrom und die Serverauslastung. Daten aus dem Betrieb liegen bislang nicht vor.