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Claret Capital Partners schließt Growth Capital Fonds mit 575 Millionen Euro ab

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

Claret Capital Partners schließt Growth Capital Fonds mit 575 Millionen Euro ab Glocalist Press © glocalist.press
Claret Capital Partners schließt Growth Capital Fonds mit 575 Millionen Euro ab © glocalist.press

Claret Capital Partners hat einen neuen europäischen Growth Capital Fonds mit 575 Millionen Euro aufgelegt und damit das eigene Ziel übertroffen. Welche Unternehmen profitieren und wie verändert sich der Markt für Wachstumsfinanzierung in Europa

Mit dem Abschluss seines vierten europäischen Growth Capital Fonds in Höhe von 575 Millionen Euro setzt Claret Capital Partners ein deutliches Signal für die Finanzierung technologieorientierter Wachstumsunternehmen in Europa. Das ursprünglich anvisierte Ziel von 500 Millionen Euro wurde damit klar überschritten. Bereits zum Zeitpunkt der Bekanntgabe war ein erheblicher Teil des Kapitals investiert, was auf eine hohe Nachfrage nach alternativen Finanzierungsformen im Technologiesektor hindeutet.

Fondsvolumen und Investitionsschwerpunkte

Der neue Fonds richtet sich an Unternehmen aus den Bereichen Technologie, Life Sciences und Impact-orientierte Geschäftsmodelle. Nach Angaben von Claret Capital Partners wurden bereits 32 Prozent des Fondsvolumens in mehr als 27 Unternehmen investiert. Zu den geförderten Firmen zählen unter anderem die B2B-Plattform Billie, das Pharmaunternehmen Cinclus Pharma, der Softwareanbieter PRODA, das Biotech-Unternehmen Inventiva sowie die Vertriebsplattform Surfe. Die Auswahl der Portfoliounternehmen spiegelt die Bandbreite der adressierten Innovationsfelder wider.

Claret Capital Partners setzt auf sogenannte Growth Debt, also Wachstumsfinanzierung in Form von Fremdkapital. Diese Finanzierungsform ermöglicht es Unternehmen, ihre Expansion, Akquisitionen oder Produktentwicklung voranzutreiben, ohne die Eigentümerstruktur durch neue Eigenkapitalgeber zu verwässern. Die Mittel stammen von institutionellen Investoren wie Pensionsfonds, Versicherungen, Family Offices und öffentlichen Einrichtungen. Zusätzlich wurde ein ELTIF-Struktur für private Vermögensanlagen genutzt. Für größere Transaktionen stehen zudem Co-Investment-Partnerschaften zur Verfügung.

Marktentwicklung und Nachfrage nach Fremdkapital

Die Nachfrage nach flexiblen, nicht verwässernden Finanzierungsinstrumenten hat in den vergangenen Jahren spürbar zugenommen. Während Eigenkapitalfinanzierungen in Europa selektiver vergeben werden, suchen viele Gründerinnen und Gründer nach Alternativen, um Wachstum zu finanzieren, ohne Anteile abzugeben. Claret Capital Partners sieht sich mit dem neuen Fonds in der Lage, diese Lücke gezielt zu adressieren. Die bisherigen Fonds des Unternehmens haben laut eigenen Angaben bereits mehr als 1,5 Milliarden Euro in über 210 Unternehmen investiert, wobei auch reinvestiertes Kapital berücksichtigt wird.

Die aktuelle Fondsrunde folgt auf einen Vorgängerfonds mit 297 Millionen Euro, der 2022 abgeschlossen wurde. In den vergangenen Jahren konnten mehrere Portfoliounternehmen von Claret Capital Partners Exits realisieren, darunter Übernahmen durch größere Konzerne und ein Börsengang an der Nasdaq. Die geografische Präsenz des Teams wird weiter ausgebaut: Neben dem Hauptsitz in London sind Mitarbeitende inzwischen auch in Paris tätig, eine Präsenz in Berlin ist geplant.

Wettbewerb und europäischer Kontext

Im europäischen Vergleich bleibt der Markt für Growth Debt kleiner als in den USA, gewinnt aber an Bedeutung. Die Kombination aus institutionellen und privaten Investoren sowie die Einbindung von Co-Investments ermöglicht es Claret Capital Partners, auch größere Finanzierungsrunden zu begleiten. Die Auswahl der Portfoliounternehmen legt den Fokus auf skalierbare Geschäftsmodelle mit internationalem Wachstumspotenzial. Im Unterschied zu klassischen Venture-Capital-Fonds steht bei Growth Debt die Kapitalrückzahlung im Vordergrund, was die Anforderungen an die wirtschaftliche Tragfähigkeit der Unternehmen erhöht.

Die Entwicklung reiht sich ein in eine Serie größerer Finanzierungsrunden für europäische Technologieunternehmen. Wie in einem früheren Bericht zu sehen, steigt das Interesse an alternativen Finanzierungsformen auch im deutschen Mittelstand. Die Rolle von spezialisierten Fonds wie dem von Claret Capital Partners wird damit für die europäische Innovationslandschaft zunehmend relevant.

Bewertung und Ausblick

Die Mittelvergabe durch Claret Capital Partners erfolgt nach eigenen Angaben selektiv und mit Fokus auf nachhaltige Geschäftsmodelle. Die tatsächliche Wirkung des Fonds auf die europäische Innovationsdynamik wird sich jedoch erst mittelfristig zeigen. Entscheidend bleibt, ob die geförderten Unternehmen ihre Wachstumsziele erreichen und die Rückzahlung der Kredite leisten können. Die bisherigen Exits im Portfolio deuten auf eine funktionierende Strategie hin, doch die Marktbedingungen für Technologie- und Biotechunternehmen bleiben volatil.

Die Redaktion sieht in der erfolgreichen Platzierung des Fonds einen Beleg für die wachsende Akzeptanz von Growth Debt als Finanzierungsinstrument in Europa. Die Kombination aus institutionellem Kapital, privaten Anlegern und Co-Investments schafft neue Spielräume für Unternehmen, die sich in einem zunehmend kompetitiven Umfeld behaupten müssen. Ob sich das Modell langfristig als tragfähige Alternative zum klassischen Venture Capital etabliert, hängt maßgeblich von der wirtschaftlichen Entwicklung der Portfoliounternehmen und der Stabilität der europäischen Kapitalmärkte ab.

Growth Debt bezeichnet eine Form der Unternehmensfinanzierung, bei der Wachstumsunternehmen Fremdkapital aufnehmen, um Expansion, Produktentwicklung oder Akquisitionen zu finanzieren. Im Gegensatz zu klassischen Bankkrediten sind die Bedingungen meist flexibler, und die Kreditgeber akzeptieren höhere Risiken. Im Unterschied zu Eigenkapitalfinanzierungen behalten die Gründerinnen und Gründer ihre Anteile, müssen jedoch Zins- und Tilgungszahlungen leisten. Growth Debt wird vor allem von spezialisierten Fonds und institutionellen Investoren bereitgestellt und gewinnt in Europa als Ergänzung zu Venture Capital an Bedeutung. Schlagwörter: Wachstumskapital, Private Kapitalmärkte, Billie

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