Eine Cisco-Befragung unter 69 deutschen IT-Dienstleistern zeigt: Beratung und Personal wachsen, doch knapp 46 Prozent melden einen KI-ROI unter den Erwartungen. Kunden planen Ausgaben für generative und agentische KI.
Die Cisco Global Partner AI Study 2026 befragte 69 deutsche IT-Dienstleister. Knapp 46 Prozent von ihnen sagen, dass der Return on Investment, kurz ROI, ihrer KI-Aktivitäten hinter den Erwartungen zurückbleibt. Zugleich erzielen 27 Prozent nach eigenen Angaben bereits mehr als die Hälfte ihres Umsatzes mit KI-Implementierungen.
Für viele Anbieter geht die Rechnung noch nicht auf.
Die Werte zeigen unterschiedliche Geschäftsstände: Für einen Teil ist KI bereits ein wesentlicher Umsatzträger. Bei vielen anderen rechnet sich das Engagement noch nicht wie erwartet. Die Erhebung belegt weder eine allgemeine Profitabilität von KI-Projekten noch die Ursachen für die enttäuschende Rendite. Sie nennt keine Kosten oder Projektlaufzeiten. Auch konkrete Umsatzbeiträge einzelner Anwendungen fehlen.
Der ROI setzt den wirtschaftlichen Ertrag einer Investition ins Verhältnis zu ihren Kosten. Bei KI hängt das Ergebnis davon ab, ob sich ein klarer Nutzen im jeweiligen Arbeitsablauf erzielen lässt. Hinzu kommen die Aufwendungen für Integration und Betrieb. Die Cisco-Befragung liefert keine Kosten- oder Projektdaten, mit denen sich diese Faktoren für die untersuchten Unternehmen vergleichen ließen.
Die Erhebung ist keine repräsentative Messung sämtlicher deutscher Unternehmen. Auch die Angaben zur Kundennachfrage spiegeln zunächst die Erwartungen der befragten Dienstleister wider. Ein separates Marktbild liefert ein Bericht zu talpasolutions, der Insolvenz und KI-Strategien anderer Unternehmen behandelte. Die Cisco-Studie richtet sich dagegen gezielt an IT-Dienstleister.
Die globale Cisco Global AI Partner Study 2026 zeigt ähnliche Probleme: 92 Prozent der befragten Partner berichteten, dass zumindest einige ihrer Kunden wegen der laufenden KI-Kosten besorgt waren. Nur 43 Prozent gaben an, dass der ROI ihrer Kunden die Erwartungen erfüllte oder übertraf. Diese Zahlen stammen aus der breiteren Partnerbefragung, nicht aus der deutschen Teilstichprobe mit 69 Dienstleistern. Industria Italiana berichtete über die Ergebnisse.
Als größte Wachstumschance nennen die Befragten Beratung. Besonders gefragt sei Unterstützung bei der Auswahl von KI-Anwendungen. Auch deren Integration und sicherer Betrieb gelten als Wachstumsfelder. Cloud-basierte KI-Dienste und -Plattformen erreichen jeweils 42 Prozent. Individuell entwickelte KI-Lösungen kommen ebenfalls auf 42 Prozent. Für Anbieter zählt damit auch, wie sich Modelle in bestehende Abläufe und Systeme einbinden lassen.
Beim Personalaufbau setzen die Dienstleister auf verschiedene Wege. 42 Prozent haben externe Fachkräfte eingestellt. 36 Prozent bildeten die eigene Belegschaft weiter, 22 Prozent taten beides. Für Trainingsprogramme nutzen 35 Prozent externe Schulungsanbieter; 29 Prozent setzen auf interne Angebote. Rund ein Viertel der Dienstleister ordnet Beschäftigte einer höheren Erfahrungsstufe zu. Ein ähnlich großer Anteil sieht sie auf Expertenebene. Knapp die Hälfte sagt, die Belegschaft verfüge über solide KI-Grundkenntnisse.
Bei den Kundenausgaben erwarten die Dienstleister in den kommenden zwölf Monaten am häufigsten Investitionen in generative KI: 71 Prozent nennen dieses Feld. Agentic AI folgt mit 57 Prozent. Datenplattformen kommen auf 54 Prozent. Das sind geplante Ausgaben, keine bereits umgesetzten Projekte oder garantierten Aufträge.
87 Prozent der Dienstleister rechnen damit, dass KI die Infrastruktur-Anforderungen ihrer Kunden weiter erhöht. Gleichzeitig haben bislang 28 Prozent der deutschen Unternehmen fortgeschrittene KI-basierte Technologien in ihrer Infrastruktur implementiert. Die erste Zahl beschreibt eine Erwartung der Dienstleister, die zweite den berichteten Implementierungsstand bei Unternehmen. Daraus lassen sich weder ein konkreter Engpass noch tatsächlich folgende Infrastrukturinvestitionen ableiten.
Auch die Regulierung beeinflusst Entwicklung und Betrieb. Die EU-KI-Verordnung, Regulation (EU) 2024/1689, trat am 1. August 2024 in Kraft. Sie gilt allgemein seit dem 2. August 2026. Artikel 50 schreibt unter anderem Transparenz für Chatbots und weitere KI-Systeme vor. Bei bestimmten Verstößen drohen Geldbußen von bis zu 15 Millionen Euro oder drei Prozent des weltweiten Jahresumsatzes, je nachdem, welcher Betrag höher ist. Dienstleister müssen bei KI-Projekten auch Kennzeichnung und Transparenz berücksichtigen. Dokumentation und laufende Kontrolle gehören ebenfalls zu den Anforderungen.
Im Juli 2026 änderte die EU mit dem Digital Omnibus on AI, Regulation (EU) 2026/1744, den Zeitplan für Pflichten bei Hochrisiko-KI-Systemen. Die Verordnung wurde am 24. Juli im Amtsblatt veröffentlicht und trat am 27. Juli in Kraft. Die zentralen Anforderungen für eigenständige Hochrisiko-Systeme aus Anhang III gelten nun ab dem 2. Dezember 2027. Für KI, die in regulierte Produkte eingebettet ist, gilt der 2. August 2028. Unternehmen erhalten damit mehr Zeit zur Vorbereitung. Dazu zählen Risikobewertungen und Datenmanagement. Auch technische Dokumentation muss vorbereitet werden.