LPKF erwartet für 2026 weniger Umsatz und eine negative bereinigte EBIT-Marge. Insiderkäufe und veränderte Beteiligungen ändern nichts daran, dass Aufträge und Umsätze noch ausstehen.
Ein Solarprojekt wird im laufenden Geschäftsjahr voraussichtlich keinen Umsatz mehr bringen. LPKF Laser rechnet 2026 nun mit 93 bis 100 Mio. EUR Umsatz und einer bereinigten EBIT-Marge zwischen minus 7,0 und minus 2,5 Prozent.
Am 30. September senkte das Unternehmen seine Umsatzprognose für das Geschäftsjahr. Zuvor hatte die Spanne bei 105 bis 120 Mio. EUR gelegen. Auch der Ausblick für die bereinigte EBIT-Marge fiel deutlich schwächer aus: Statt minus 3,0 bis plus 4,5 Prozent erwartet LPKF jetzt einen Wert zwischen minus 7,0 und minus 2,5 Prozent. Als Gründe nannte das Unternehmen die Verzögerung eines wesentlichen Solar-Auftrags und später als erwartet eintreffende Bestellungen aus dem Advanced Packaging.
Der Knackpunkt bleibt der Zeitpunkt, zu dem aus erwarteten Projekten tatsächliche Umsätze werden.
Auch die jüngsten Beteiligungsmeldungen geben kein klares Bild. UBS meldete am 1. Oktober eine Gesamtposition von 3,23 Prozent, nach zuvor 3,14 Prozent. MW Group gab am 8. Oktober eine Beteiligung von 3,05 Prozent an, nach zuvor 3,14 Prozent. Diese Veränderungen zeigen weder, wie weit einzelne Kundenprojekte fortgeschritten sind, noch belegen sie eine gemeinsame Einschätzung der Geschäftsaussichten.
Bei der Prognose fällt die Kürzung konkret aus: Die Untergrenze der Umsatzspanne sank um 12 Mio. EUR, die Obergrenze um 20 Mio. EUR. LPKF zufolge liegt der große Solar-Auftrag außerhalb des geplanten Zeitraums und wird voraussichtlich keinen Umsatz mehr im Geschäftsjahr 2026 beitragen. Die neue Prognose für die bereinigte EBIT-Marge liegt vollständig im negativen Bereich.
Eine frühere Prognosekorrektur ordnet die Entwicklung ein: Verzögerungen bei Solar- und Halbleiteraufträgen waren bereits damals der Anlass für den schwächeren Ausblick. Über die Mitteilung von LPKF und die neuen Kennzahlen berichtete auch ad-hoc-news. Für die Geschäftsentwicklung kommt es nun darauf an, wann die ausstehenden Projekte umgesetzt werden.
Am selben 30. September teilte LPKF mit, dass ein führender asiatischer Hersteller von Advanced Semiconductor Packaging eine Letter of Intent für Systeme zur Glasbearbeitung mit NEXAR LIDE abgegeben hat. Das Unternehmen bezifferte den möglichen Folgeauftrag auf mehrere Millionen Euro. Der Kunde nutzt bereits LPKF-Anlagen und hat den vollständigen LIDE-Prozess zertifiziert. Eine Absichtserklärung ist jedoch kein verbindlicher Auftrag und belegt für sich genommen keinen Umsatzbeitrag im Geschäftsjahr 2026. SMT Today griff die Mitteilung zum geplanten Einsatz der Systeme ebenfalls auf.
Mit LIDE bearbeitet LPKF Glas für Anwendungen im Advanced Packaging. Dazu zählen Glassubstrate und Durchgangsverbindungen durch Glas, sogenannte TGV. Berichte bezifferten den möglichen Markt für entsprechende Lösungen auf bis zu 1,7 Mrd. EUR bis 2030. Marktpotenzial und technologische Qualifizierung sind allerdings noch keine konkrete Bestellung. Umsatz entsteht erst nach Lieferung und Erfassung.
Auch aus dem Vorstand kamen Käufe: Klaus Fiedler und Peter Mümmler erwarben am 30. September LPKF-Aktien für 49.640,00 EUR beziehungsweise 14.700,00 EUR. Die Führungskräfte investierten damit eigenes Geld in Unternehmensaktien. Die Höhe der Käufe sagt aber nichts darüber aus, ob ein Kundenauftrag verbindlich ist oder ein verschobenes Projekt noch im laufenden Geschäftsjahr Umsatz bringt.
Zusammen mit den Meldungen von UBS und MW Group ergibt sich ein gemischtes Bild. Eine gemeldete Position stieg, eine andere sank. Daraus lässt sich weder eine breite Vertrauensbewegung noch ein institutioneller Rückzug ableiten. Die Beteiligungsdaten ersetzen keine Angaben zu Auftragsbeständen oder Projektfortschritten. Entscheidend bleiben die ausgewiesenen Umsätze.
Montega bestätigte laut Medienberichten am 1. Oktober die Kaufempfehlung und ein Zwölfmonatskursziel von 22,00 EUR. Zugleich verwiesen die Analysten auf verschobene Umsätze im Solar- und Advanced-Packaging-Geschäft. Das Kursziel ist eine Einschätzung für die Zukunft, kein Nachweis, dass Projekte umgesetzt oder Erlöse verbucht wurden.
Der Tagesverlust von 3,2 Prozent erklärt für sich genommen ebenfalls nicht die operative Lage. LPKF will den Neunmonatsfinanzbericht 2026 am 29. Oktober veröffentlichen. Er ist die nächste planmäßige Veröffentlichung zu Auftragseingang und Umsatz.
Auftragseingang und Umsatz bilden unterschiedliche Stufen eines Geschäfts ab. Ein Auftragseingang zeigt, dass ein Kunde ein Geschäft beauftragt hat. Umsatz entsteht erst, wenn die maßgeblichen Leistungen erbracht und nach den geltenden Bilanzierungsregeln erfasst sind. Eine Absichtserklärung liegt vor einem verbindlichen Auftrag und ist nicht mit ihm gleichzusetzen. Aus einer Kaufabsicht allein lässt sich daher kein bereits gesicherter Umsatz ableiten.