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First Solar kämpft mit steigenden Finanzierungskosten und politischer Unsicherheit

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

First Solar kämpft mit steigenden Finanzierungskosten und politischer Unsicherheit Glocalist Press © glocalist.press
First Solar kämpft mit steigenden Finanzierungskosten und politischer Unsicherheit © glocalist.press

Höhere US-Anleiherenditen und unklare Förderpolitik setzen First Solar unter Druck. Wie widerstandsfähig bleibt das Geschäftsmodell des US-Solarkonzerns?

Die Finanzierung großer Solarprojekte in den USA ist teurer geworden. Grund dafür sind die stark gestiegenen Renditen für US-Staatsanleihen. Am 24. und 25. September 2026 kletterten die Renditen für 10-jährige US-Treasuries auf 5,11 % bis 5,20 %. Bei 30-jährigen Anleihen lag der Wert sogar bei 5,48 %. Das ist ein Niveau, das es seit 2004 nicht mehr gab. Viele Marktteilnehmer sehen darin einen direkten Grund für die höheren Finanzierungskosten bei Solar-Großprojekten. Die Folge: Investoren zögern, neue Projekte geraten ins Stocken. Auch in Deutschland sind die Kapitalkosten laut Bundesnetzagentur ein entscheidender Faktor für die Energiewende. Die Solarausschreibungen der Bundesnetzagentur zeigen, wie stark sich Zinsänderungen auf die Gebote auswirken.

Steigende Zinsen erschweren neue Projekte

Die Bedingungen am US-Kapitalmarkt haben sich verschärft. Für Betreiber von Solarkraftwerken bedeutet das: Kredite werden teurer. Neue Projekte rechnen sich schlechter. Selbst wenn die Auftragsbücher voll sind, kann es zu Verzögerungen kommen. Preisverhandlungen werden häufiger nötig. Das Risiko steigt.

First Solar, ein führender Hersteller von Dünnschichtmodulen, bekam das direkt zu spüren. Nach dem Zinsanstieg fiel der Aktienkurs um 7,9 % bis 10,3 %. Das Unternehmen rutschte auf ein neues 52-Wochen-Tief. Schon kleine Veränderungen bei den Kapitalkosten schlagen auf die Rentabilität durch. Das Geschäftsmodell reagiert empfindlich auf Zinsen.

Politische Unsicherheit verschärft das Risiko

Die Finanzierung ist nicht das einzige Problem. Auch die politische Lage bleibt angespannt. Ob Steuergutschriften und Subventionen, etwa durch den "Inflation Reduction Act", langfristig gesichert sind, ist offen. Es laufen Rechtsstreitigkeiten. Investoren und Hersteller haben weniger Planungssicherheit. Bricht die politische Unterstützung weg, könnten Margen und Wirtschaftlichkeit neuer Fabriken direkt leiden.

Reuters berichtete im Mai 2026, dass große Solarunternehmen, Banken und Versicherer begonnen haben, neu errichtete Solarfabriken in den USA zu meiden, solange Unsicherheiten über neue Regeln zum chinesischen Anteil und den Zugang zu Subventionen bestehen.

Reuters

Steigende Zinsen und politische Unsicherheit treffen Unternehmen, die auf große Infrastrukturprojekte setzen, besonders hart. Die Stimmung am Markt schwankt mit den Zinsen. Doch die Unsicherheit über die politischen Rahmenbedingungen bleibt das größere Thema. In den USA fehlt es an klaren Vorgaben für das Gesetz von 2025. Das US-Finanzministerium hat noch keine vollständigen Regeln veröffentlicht. Der Gesetzgeber hat aber einen maximalen chinesischen Eigentümeranteil von 25 % und ein Verbot der "effective control" durch chinesische Firmen für förderfähige Projekte festgelegt. Klare Leitlinien fehlen.

Prognosen und Bewertungsszenarien

First Solar rechnet für 2029 mit einem Umsatz von 6,8 Milliarden US-Dollar und einem Gewinn von 3,0 Milliarden US-Dollar. Das wäre ein jährliches Umsatzwachstum von 8,2 %. Der Gewinn würde um rund 1,3 Milliarden US-Dollar steigen. Analysten sehen das unterschiedlich. Konservative Schätzungen gehen von 6,2 Milliarden US-Dollar Umsatz und 2,7 Milliarden US-Dollar Gewinn bis 2029 aus. Die Bewertungen schwanken stark. Der faire Wert liegt laut Analysten zwischen 269,14 US-Dollar pro Aktie und einem Aufwärtspotenzial von 54 % gegenüber dem aktuellen Kurs.

Die Unterschiede zeigen, wie unsicher die Entwicklung der politischen und finanziellen Rahmenbedingungen ist. Für Anleger zählt, wie sich Projektvergabe, Produktion und Vertragsbedingungen tatsächlich entwickeln. Auch in der EU sind regulatorische Anpassungen wichtig. Die Förderpolitik des BMWK gilt als entscheidend für Investitionssicherheit.

Alternative Ansätze für Investoren

First Solar steht beispielhaft für die Abhängigkeit der Branche von Zinsen und Politik. Wer in erneuerbare Energien investiert, muss mehr als nur Technik und Marktchancen prüfen. Die Stabilität der Förderpolitik und die Entwicklung der Finanzierungskosten sind genauso wichtig. Investoren, die Wert auf Kapitalschutz und stabile Bilanzen legen, könnten Unternehmen mit geringerer Zinssensitivität bevorzugen. Es gibt Alternativen.

Die Bewertung von First Solar bleibt schwierig. Externe Faktoren bestimmen den Kurs. Kurzfristige Prognosen sind kaum möglich. Die aktuelle Marktlage zwingt dazu, verschiedene Szenarien und Bewertungsmodelle zu vergleichen. Einfache Antworten gibt es nicht. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie tragfähig das Geschäftsmodell unter neuen Bedingungen bleibt.

Kapitalkosten sind die Gesamtkosten, die ein Unternehmen für die Finanzierung von Investitionen zahlt. Dazu gehören Zinsen für Fremdkapital und die erwartete Rendite für Eigenkapitalgeber. In kapitalintensiven Branchen wie der Solarindustrie wirken sich Änderungen der Kapitalkosten direkt auf die Wirtschaftlichkeit neuer Projekte aus. Steigen die Zinsen, sinkt die Attraktivität langfristiger Investitionen. Die erwarteten Erträge werden stärker abgezinst. Unternehmen wie First Solar müssen ihr Geschäftsmodell regelmäßig anpassen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

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