Das Kölner Startup homie bietet eine KI-Plattform, mit der Händler ihre Verkaufskanäle automatisieren und skalieren können. Welche Herausforderungen und offenen Fragen bestehen, bleibt relevant
Das Kölner Unternehmen homie hat eine KI-Plattform für den Handel vorgestellt, die es Händlern ermöglicht, verschiedene Verkaufskanäle zentral zu steuern und zu automatisieren. Die Plattform basiert auf einem agentischen Ansatz: Händler können eigene KI-Agenten entwickeln, die das Sortiment kennen und Kundenanfragen in Echtzeit beantworten. Nach Angaben des Unternehmens ist die Plattform seit Anfang 2025 für Händler und Onlineshops verfügbar. Ziel ist es, die Effizienz im Handel zu steigern und die Kundeninteraktion zu personalisieren.
Entwicklung von HomeRide zu homie
homie entstand aus dem Vorgängerprojekt HomeRide, das 2021 von Michael Müller, Mirco Meyer und Hendrik Lallensack gegründet wurde. Ursprünglich lag der Fokus auf der Bündelung lokaler Produktverfügbarkeiten und der Ermöglichung shopübergreifender Same-Day-Lieferungen. Im Sommer 2023 begann das Team, die Suchfunktion des Marktplatzes mithilfe von ChatGPT und Embedding-Technologien zu verbessern. Die daraus entwickelte Chat-Funktion wurde zunächst ausgewählten Händlern angeboten. Nach positiven Rückmeldungen erfolgte ein strategischer Wechsel hin zu einer KI-Plattform, die nun als homie vermarktet wird.
Geschäftsmodell und technischer Ansatz
Das Geschäftsmodell von homie sieht eine monatliche Nutzungsgebühr vor, die sich nach der Anzahl der eingesetzten KI-Agenten und dem Kundenaufkommen richtet. Die Plattform kann in Webshops, am Point of Sale, in Apps oder für interne Prozesse genutzt werden. Händler erhalten damit die Möglichkeit, ihre Sortimente automatisiert zu verwalten und Kundenanfragen effizient zu beantworten. Nach Unternehmensangaben ist die Plattform offen für Händler unterschiedlicher Größenordnungen. Unabhängige Tests oder externe Bewertungen zur tatsächlichen Leistungsfähigkeit liegen bislang nicht vor.
Herausforderungen und Ausblick
Die Einführung von KI-Agenten im deutschen Einzelhandel stößt weiterhin auf Zurückhaltung, insbesondere bei größeren Mittelständlern. Nach Angaben von homie besteht die größte Hürde darin, Unternehmen vom praktischen Nutzen der Technologie zu überzeugen, obwohl die Erwartungen an perfekte Antworten nicht immer erfüllt werden können. Die Plattform plant, mit dem Modul homie Analytics künftig Einblicke in die Themen und Fragen der Kunden zu ermöglichen. Damit sollen Händler besser verstehen, welche Informationen vor einer Kaufentscheidung relevant sind. Perspektivisch arbeitet das Unternehmen an Erweiterungen für automatisierte Einkaufsprozesse, um den Trend zum agentischen Commerce aufzugreifen.
Der Markt für KI-gestützte Handelslösungen entwickelt sich dynamisch. Neben homie verfolgen auch andere Anbieter wie das Berliner Unternehmen Zelara ähnliche Ansätze, etwa im Bereich der personalisierten Kundenkommunikation. Ein Überblick zu aktuellen Entwicklungen findet sich beispielsweise im Beitrag über KI-basierte CRM-Systeme im Handel.
Agentische KI-Systeme wie homie basieren auf der Idee, dass spezialisierte Softwareagenten eigenständig Aufgaben übernehmen und mit Nutzern interagieren können. Im Unterschied zu klassischen Chatbots greifen diese Agenten auf umfangreiche Produktdaten und Kontextinformationen zu und können so komplexere Anfragen bearbeiten. Die Entwicklung solcher Systeme erfordert nicht nur technisches Know-how, sondern auch die Bereitschaft der Unternehmen, bestehende Prozesse zu hinterfragen und neue Formen der Kundeninteraktion zu erproben. Die tatsächlichen Auswirkungen auf Effizienz, Umsatz und Kundenzufriedenheit lassen sich erst im laufenden Betrieb bewerten.