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KnowBe4: Cybersicherheitsschulungen müssen sich an TikTok-Generation anpassen

Nils Bedke Autor für Kapitalmärkte und Banking Glocalist Press

Verfasst von Nils Bedke

KnowBe4: Cybersicherheitsschulungen müssen sich an TikTok-Generation anpassen Glocalist Press © glocalist.press
KnowBe4: Cybersicherheitsschulungen müssen sich an TikTok-Generation anpassen © glocalist.press

KnowBe4 sieht durch Plattformen wie TikTok und YouTube neue Herausforderungen für Cybersicherheitstrainings. Warum klassische Formate nicht mehr ausreichen und wie Unternehmen reagieren sollten, bleibt umstritten

Die zunehmende Nutzung von Plattformen wie TikTok, Facebook und YouTube verändert laut KnowBe4-Beraterin Anna Collard die Anforderungen an Cybersicherheitsschulungen in Unternehmen. Collard weist darauf hin, dass die Konzentrationsfähigkeit vieler Beschäftigter im digitalen Alltag abnimmt. Dies stellt Unternehmen vor die Aufgabe, ihre Trainingsmethoden an die veränderten Lerngewohnheiten und die sinkende Aufmerksamkeitsspanne anzupassen.

Herausforderungen für klassische Sicherheitstrainings

Traditionelle Cybersicherheitsschulungen setzen häufig auf umfangreiche, einmal jährlich durchgeführte Trainings oder auf die Vermittlung von Faktenwissen in kurzen Lerneinheiten. Nach Einschätzung von KnowBe4 reicht es jedoch nicht aus, Inhalte lediglich in das Format kurzer Videoclips zu übertragen, wie sie auf TikTok üblich sind. Entscheidend sei, dass Trainingsinhalte einen direkten Bezug zum Arbeitsalltag der Beschäftigten haben und im richtigen Moment eingesetzt werden. Die reine Verkürzung von Lerneinheiten oder der Fokus auf Unterhaltung könne die zentrale Schwachstelle vieler Programme - die fehlende Verknüpfung mit realen Risikosituationen - nicht beheben.

Collard betont, dass die Vermittlung von Sicherheitswissen häufig losgelöst von konkreten Bedrohungssituationen erfolgt. Dadurch bleibt das Gelernte oft abstrakt und wird im Ernstfall nicht angewendet. Sie plädiert für kontextualisierte, just-in-time bereitgestellte Trainings, die nicht nur Fakten vermitteln, sondern gezielt die allgemeine Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit stärken.

Psychologische Reflexe und Alltagsbezug

Ein zentrales Problem bei der Abwehr von Social-Engineering- und Phishing-Angriffen ist laut Collard die mangelnde Aufmerksamkeit der Beschäftigten. Cyberkriminelle nutzen gezielt psychologischen Druck, etwa durch vorgetäuschten Zeitdruck oder die Erzeugung von Angst und Neugier. Um dem zu begegnen, empfiehlt sie Trainings, die typische Manipulationsmuster im Arbeitskontext simulieren und direktes Feedback geben. Wenn Beschäftigte beispielsweise auf einen simulierten Phishing-Angriff hereinfallen und unmittelbar eine Erklärung erhalten, warum sie manipuliert wurden, kann dies die Entwicklung starker Reflexe fördern.

Solche Trainingsformate sollen Beschäftigte darin unterstützen, innezuhalten, Informationen zu prüfen und zwischen Multi- und Single-Tasking zu wechseln. Ziel ist es, die Fähigkeit zu stärken, Manipulationsversuche frühzeitig zu erkennen und abzuwehren. Die Wirksamkeit passiver, rein faktenbasierter Schulungen wird von KnowBe4 als begrenzt eingeschätzt.

Mikro-Lernen: Chancen und Grenzen

Das Konzept des Mikro-Lernens - also die Vermittlung von Inhalten in kurzen, häufigen Einheiten - wird von Collard differenziert bewertet. Entscheidend sei, dass nicht nur statisches Faktenwissen vermittelt wird, sondern dass die Trainings auf die Erkennung manipulativer Muster und die Förderung von Aufmerksamkeit abzielen. Da KI-gestützte Angriffe und Deepfakes sich ständig weiterentwickeln, veralten rein faktenbasierte Inhalte schnell. Dagegen bleiben grundlegende psychologische Mechanismen und Reflexe relevant.

Unternehmen, die weiterhin auf stundenlange Mammut-Schulungen setzen, riskieren laut KnowBe4, dass die Nachhaltigkeit der Lernerfolge leidet. Kurze, an reale Risikomomente gekoppelte Trainingseinheiten könnten den Arbeitsalltag weniger stören und bieten laut Collard Vorteile bei der Auditierbarkeit: Jede Interaktion wird protokolliert, was eine detaillierte Nachverfolgung von Lernerfolgen und Defiziten ermöglicht. Vergleichbare Herausforderungen bei der Anpassung von Trainingsformaten an neue digitale Gewohnheiten zeigen sich auch in anderen Technologiebereichen, wie etwa bei der Integration von KI-Lösungen in die Diagnostik, worauf ein Bericht zur Entwicklung im KI- und Diagnostikmarkt hinweist.

Relevanz für Unternehmen und Compliance

Für Unternehmen ergeben sich aus der veränderten Lernkultur neue Anforderungen an die Dokumentation und Nachweisführung von Cybersicherheitstrainings. Moderne Trainingsplattformen ermöglichen es, individuelle Risikowerte ("Human Risk Score") auf Basis des tatsächlichen Nutzerverhaltens zu ermitteln und Trainingsinhalte in Echtzeit anzupassen. Dies kann die Compliance-Arbeit erleichtern und eine kontinuierliche Verbesserung der Sicherheitskultur unterstützen.

Offen bleibt, wie sich die Wirksamkeit neuer Trainingsformate im Vergleich zu klassischen Methoden langfristig messen lässt. Unabhängige Studien zu nachhaltigen Lerneffekten und zur tatsächlichen Reduktion von Sicherheitsvorfällen liegen bislang nur begrenzt vor. Unternehmen stehen daher vor der Aufgabe, zwischen regulatorischen Anforderungen, betrieblicher Effizienz und tatsächlicher Risikoreduktion abzuwägen.

Die Diskussion um die Anpassung von Cybersicherheitstrainings an die veränderten digitalen Gewohnheiten ist Teil eines breiteren Trends, bei dem Unternehmen ihre Weiterbildungs- und Compliance-Strategien regelmäßig überprüfen und an neue technologische und gesellschaftliche Rahmenbedingungen anpassen müssen.

Der Begriff "Mikro-Lernen" bezeichnet die Vermittlung von Lerninhalten in kurzen, gezielten Einheiten, die häufig in den Arbeitsalltag integriert werden. Im Kontext der Cybersicherheit bedeutet dies, dass Beschäftigte regelmäßig mit realitätsnahen Szenarien konfrontiert werden, um ihre Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit zu stärken. Mikro-Lernen unterscheidet sich von klassischen Schulungsformaten durch die hohe Frequenz, die situative Einbettung und die Möglichkeit, Trainingsinhalte flexibel an aktuelle Bedrohungslagen anzupassen. Die Wirksamkeit hängt jedoch maßgeblich von der inhaltlichen Qualität und der Relevanz für den Arbeitsalltag ab.

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