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Okta-Forscher dokumentieren wachsenden Graumarkt für KI-Token in China

Nils Bedke Autor für Kapitalmärkte und Banking Glocalist Press

Verfasst von Nils Bedke

Okta-Forscher dokumentieren wachsenden Graumarkt für KI-Token in China Glocalist Press © glocalist.press
Okta-Forscher dokumentieren wachsenden Graumarkt für KI-Token in China © glocalist.press

Sicherheitsforscher von Okta berichten über einen florierenden Graumarkt für KI-Token, der durch betrügerische Kontoregistrierungen und hohe Rabatte vor allem in China angetrieben wird. Welche Risiken und Folgen das für Anbieter und Nutzer hat, bleibt umstritten

Der Markt für Zugang zu fortgeschrittenen KI-Modellen entwickelt sich zunehmend außerhalb regulierter Kanäle. Nach aktuellen Analysen von Sicherheitsforschern des US-Unternehmens Okta werden auf Untergrundforen und Messaging-Plattformen zahlreiche Angebote für KI-Token und Abonnements gehandelt, die ursprünglich für Testzwecke oder als Guthaben von Anbietern wie Anthropic vorgesehen waren. Besonders auffällig ist die Konzentration dieser Aktivitäten auf den chinesischen Markt, wo der direkte Zugang zu US-amerikanischen KI-Frontier-Modellen häufig eingeschränkt ist.

Strukturen und Methoden des Graumarkts

Die Angebote auf dem Graumarkt umfassen sowohl vollständige Abonnementkonten als auch Pakete mit einer bestimmten Anzahl von Tokens oder Prompts. Nach Angaben von Okta werden diese Zugänge oft durch automatisierte, betrügerische Kontoregistrierungen generiert, wobei kostenlose Testphasen und Startguthaben systematisch ausgenutzt werden. Die Preise liegen dabei teils 70 bis 90 Prozent unter den offiziellen Abonnementkosten. Anbieter nutzen technische Gateways wie LiteLLM oder OpenRouter, um eine Vielzahl von Modellen verschiedener Hersteller bereitzustellen und Sperrungen einzelner Konten zu umgehen. Besonders in China werden diese Dienste als "Transfer"- oder "Relay"-Stationen auf Plattformen wie Taobao und Telegram beworben und sind in einschlägigen GitHub-Repositories dokumentiert.

Gegenmaßnahmen der KI-Anbieter

Um den Missbrauch einzudämmen, setzen Unternehmen wie Anthropic seit April 2026 verstärkt auf Identitätsprüfungen. Das System "Persona" verlangt von neuen Nutzern die Vorlage eines amtlichen Ausweises und eines Live-Selfies. Zusätzlich wurde ein Fingerprinting-System entwickelt, um Proxy-Dienste und missbräuchliche Nutzung in asiatischen Zeitzonen zu erkennen. Dennoch bleibt der Markt aktiv, da Anbieter immer neue Wege finden, technische und organisatorische Hürden zu umgehen. Okta nennt mit "Poison Claude" und "Ecomagent" zwei Plattformen, die gezielt auf die Nutzung kostenloser Token spezialisiert sind und dabei auch Kryptowährungen als Zahlungsmittel akzeptieren, um die Anonymität der Nutzer zu erhöhen.

Risiken und Unsicherheiten für Nutzer

Die Nutzung solcher Graumarkt-Angebote ist mit erheblichen Risiken verbunden. Okta-Forscher weisen darauf hin, dass Dienstleister als Gateway-Proxy vollen Einblick in die übermittelten Eingaben erhalten und damit potenziell sensible Daten abgreifen oder weiterverkaufen könnten. Zudem besteht die Gefahr, dass Konten jederzeit gesperrt werden, wenn Anbieter ihre Kontrollmechanismen verschärfen. Ein weiteres Problem ist die Unsicherheit über die tatsächliche Modellqualität: Nicht alle beworbenen "Frontier-Modelle" entsprechen den Erwartungen, da Anbieter teils günstigere, weniger leistungsfähige Alternativen bereitstellen. Die wirtschaftliche Motivation der Graumarktbetreiber liegt auch darin, Telemetriedaten und Nutzereingaben zu sammeln und weiterzuverwerten.

Technische Ansätze zur Betrugsprävention

Als eine der wirksamsten Maßnahmen gegen automatisierte Kontenerstellung und Missbrauch sehen Sicherheitsforscher die Einführung hardwaregebundener, phishingresistenter Passkeys. Okta und Auth0 bieten inzwischen native Passkey-Unterstützung an, die die Kosten für massenhafte Kontoerstellung deutlich erhöht. Bislang wurden solche Passkeys in den von Okta beobachteten Betrugskampagnen jedoch noch nicht eingesetzt. Die Anbieter raten dazu, keine Zugangsdaten mit unbegrenzter Gültigkeit auszustellen, da jedes weitergebbare Token letztlich auf dem Graumarkt landen kann. Die Diskussion um technische und organisatorische Schutzmaßnahmen bleibt damit aktuell, wie auch die Analyse von neuen Funktionen bei Anthropic zeigt.

Der Begriff "Graumarkt" bezeichnet Märkte, auf denen Produkte oder Dienstleistungen außerhalb der offiziellen Vertriebskanäle gehandelt werden. Im Kontext von KI-Token bedeutet dies, dass Zugang zu Modellen oder Diensten über inoffizielle, teils illegale Wege erfolgt. Für Anbieter entsteht dadurch ein Kontrollverlust über die Nutzung ihrer Systeme, während Nutzer sich rechtlichen und sicherheitstechnischen Risiken aussetzen. Die Regulierung solcher Märkte bleibt eine Herausforderung, da technische Schutzmaßnahmen und rechtliche Schritte häufig umgangen werden können.

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