BREKO eG holt mit Stefan Hermes einen erfahrenen Telekommunikationsmanager in den Vorstand. Er soll die Wirtschaftlichkeit regionaler Carrier stärken. Was heißt das für den Glasfaserausbau in Deutschland?
Seit dem 1. September 2026 sitzt Stefan Hermes im Vorstand der BREKO eG. Die Genossenschaft setzt damit ein klares Zeichen: Die Probleme regionaler und kommunaler Netzbetreiber rücken stärker in den Mittelpunkt. Hermes war bisher Geschäftsführer der KomMITT-Ratingen GmbH. Er bringt fast 30 Jahre Erfahrung aus der Telekommunikationsbranche mit. Sein Auftrag: Die Wirtschaftlichkeit und Wettbewerbsfähigkeit der Mitgliedsunternehmen stärken. BREKO hebt in seinem Profil 29 Jahre Branchenerfahrung hervor, darunter Fachwissen im kommunalen FTTH-Ausbau, in der Unternehmensführung, im Vertrieb und in der Geschäftsentwicklung.
Erfahrung aus dem kommunalen Glasfaserausbau
Bei KomMITT-Ratingen verantwortete Hermes sowohl das Tagesgeschäft als auch die strategische Ausrichtung. Die Gesellschaft gehört komplett den Stadtwerken Ratingen. Ihr FTTH-Glasfasernetz in der Region ist zu 95 Prozent eigenwirtschaftlich gebaut. KomMITT versorgt nicht nur Privathaushalte und Unternehmen, sondern betreibt auch Netze anderer kommunaler Telekommunikationsfirmen und bietet Wholesale-Dienste an. Hermes arbeitete zuvor bei NetCologne, Versatel, ASTRA, Eutelsat Kabelkiosk und Media Broadcast. Seine Erfahrung reicht von Glasfaser- und IT-Infrastruktur über Mobilfunk und Satellitenkommunikation bis zu Projekten für Medien und Behörden.
BREKO sieht in Hermes einen Praktiker, der die Hürden beim FTTH-Ausbau aus eigener Erfahrung kennt. Die Genossenschaft bündelt die Interessen regionaler Netzbetreiber, Stadtwerke und Telekommunikationsunternehmen. Ziel ist es, gemeinsam Lösungen für den Glasfaserausbau und das laufende Geschäft zu finden. Neben gemeinsamen Einkäufen werden Beratung, Wissenstransfer und neue Services immer wichtiger. FTTH (Fibre to the Home) gilt als zukunftssichere Infrastruktur. Das zeigen auch die Einhaltung technischer Standards wie DIN EN 50173 und die Orientierung an Vorgaben der Bundesnetzagentur.
Strategische Ziele und operative Hürden
Hermes will in seiner neuen Rolle die Wirtschaftlichkeit regionaler Carrier stärken und neue Kooperationsmöglichkeiten in der Genossenschaft erschließen. Im Fokus stehen praktische Lösungen für den eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau und ein klarer Blick auf FTTH-Infrastrukturen. Die Bedingungen für regionale und kommunale Telekommunikationsunternehmen bleiben schwierig. Sie müssen sich gegen große Anbieter behaupten und gleichzeitig den Netzausbau vorantreiben. Laut aktueller BREKO-Marktanalyse stieg die Glasfaser-Versorgungsquote in Deutschland im Jahresvergleich um 9,2 Prozentpunkte auf 62 Prozent. Dieser Fortschritt geht auch auf das Engagement regionaler Netzbetreiber zurück.
Glasfaser ist die energieeffizienteste Netztechnologie und bildet das Rückgrat der digitalen Infrastruktur Deutschlands. Ihr Ausbau ist entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit und Nachhaltigkeit der Wirtschaft.
BREKO eG versteht sich als Aggregator, Multiplikator und Moderator für mehr als 120 Mitgliedsunternehmen. Das Angebot reicht von gemeinsamen Beschaffungen bis zu Beratungs- und Serviceleistungen, die auf die Bedürfnisse der Mitglieder zugeschnitten sind. Mit Hermes will BREKO die Praxisnähe im Vorstand stärken und die Angebote noch stärker an den Alltag regionaler Glasfaserunternehmen anpassen.
Marktposition und Genossenschaftsmodell
Das Geschäftsmodell der BREKO eG setzt auf gebündelte Nachfrage und gemeinsame Lösungen für den Glasfaserausbau. Die Genossenschaft will wirtschaftlichen Mehrwert für ihre Mitglieder schaffen. Nach Angaben der BREKO eG profitieren die Unternehmen von einem breiten Produktportfolio, das ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern soll. Hermes soll Impulse aus dem Alltag eines regionalen Netzbetreibers einbringen und die Weiterentwicklung des Angebots vorantreiben.
Regionale Netzbetreiber sind für den Glasfaserausbau in Deutschland unverzichtbar. Gleichzeitig stehen sie unter starkem Wettbewerbsdruck und müssen Hürden wie Finanzierung, Ausbaugeschwindigkeit und regulatorische Vorgaben meistern. BREKO eG sieht sich als Partner, der diese Probleme aufgreift und mit den Mitgliedern Lösungen entwickelt. In einem Markt, in dem auch internationale Plattformunternehmen und große Telekommunikationskonzerne aktiv sind, bleibt die Frage nach der Unabhängigkeit und Wirtschaftlichkeit regionaler Anbieter zentral. Wie frühere Analysen zeigen, können strategische Anpassungen auf Verbandsebene entscheidend für die Wettbewerbsfähigkeit kleinerer Marktteilnehmer sein.
Perspektiven für den Glasfaserausbau
Mit Stefan Hermes im Vorstand holt BREKO eG operative Erfahrung ins Führungsteam. Die Genossenschaft setzt auf Wissen aus dem kommunalen Ausbau und auf die Fähigkeit, wirtschaftliche und technische Probleme direkt anzugehen. Ob das die Wettbewerbsfähigkeit regionaler Carrier spürbar verbessert, hängt davon ab, wie die angekündigten Maßnahmen umgesetzt werden. BREKO eG muss ihre Rolle als Plattform für Kooperation und Innovation weiter ausbauen und die Interessen der Mitglieder gegenüber großen Marktteilnehmern und der Politik vertreten.
Das Genossenschaftsmodell gibt regionalen Netzbetreibern die Chance, gemeinsam Skaleneffekte zu erzielen und Wissen zu teilen. Entscheidend wird sein, ob BREKO eG mit der erweiterten Führung wirklich neue Synergien schafft und Hürden beim FTTH-Ausbau abbauen kann. Die nächsten Monate werden zeigen, wie die Impulse in der Praxis wirken und ob die Genossenschaft ihre Position im deutschen Glasfasermarkt festigen kann.
Das Modell einer Genossenschaft wie BREKO eG unterscheidet sich klar von klassischen Telekommunikationsunternehmen. Während große Anbieter auf zentrale Steuerung und Skaleneffekte setzen, basiert das Genossenschaftsmodell auf freiwilliger Zusammenarbeit vieler eigenständiger Mitglieder. Ziel ist es, durch gemeinsame Beschaffung, Wissenstransfer und abgestimmte Strategien Vorteile zu schaffen, die einzelne Unternehmen allein nicht erreichen. Wie gut das gelingt, hängt davon ab, wie die Interessen der Mitglieder gebündelt und in konkrete Angebote umgesetzt werden.
Mehr zu regulatorischen Rahmenbedingungen und aktuellen Ausbauzahlen gibt es im Telekommunikationsmarktbericht der Bundesnetzagentur.