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Telekom und caery bringen KI in die Leistungsprozesse der Krankenkassen

Nil Enri Autor für Kapitalmärkte und Banking Glocalist Press

Verfasst von Nil Enri

Telekom und caery bringen KI in die Leistungsprozesse der Krankenkassen Glocalist Press © glocalist.press
Telekom und caery bringen KI in die Leistungsprozesse der Krankenkassen © glocalist.press

Telekom und caery wollen mit KI die Leistungsprüfung und Abrechnung in gesetzlichen Krankenkassen automatisieren. Wie realistisch sind die versprochenen Einsparungen?

Die gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherungen in Deutschland stehen vor einem Milliardenloch. Bis 2027 droht laut Regierung ein Defizit von 26 Milliarden Euro. Für 2027 werden rund 8 Milliarden Euro Minus erwartet, für 2028 sogar mehr als 15 Milliarden Euro. Die Kassen geraten unter Druck. Sie müssen Kosten senken und Abläufe automatisieren. Telekom und das HealthTech-Unternehmen caery wollen mit KI-gestützter Prozessautomatisierung die Leistungsprüfung, Abrechnung und Auszahlung in der gesetzlichen Krankenversicherung digitalisieren. Das Ziel: Verwaltung entlasten, Bearbeitung beschleunigen.

Automatisierung als Antwort auf Kostendruck

Das Bundesministerium für Gesundheit meldet große Finanzierungslücken bei den Sozialversicherungen. Für 2026 wird ein Defizit von 4,4 Milliarden Euro prognostiziert. 2027 könnten es schon 10 Milliarden Euro sein. Es geht um viele Fälle: Jedes Jahr gibt es mehrere hundert Millionen Leistungsfälle. Schon kleine Effizienzgewinne machen sich finanziell bemerkbar. Laut einer Lünendonk-Studie wollen 91 Prozent der befragten gesetzlichen Krankenkassen bis 2026 ihre Verwaltungsprozesse digitalisieren und automatisieren. 87 Prozent setzen dabei auf KI-gestützte Prozessautomatisierung. Telekom und caery bieten dafür eine Lösung an.

Caery rechnet vor: Mit flächendeckender intelligenter Software könnten jährlich bis zu zehn Milliarden Euro zusätzlich freigesetzt werden. Die Hälfte davon durch bessere Prozesse und weniger fehlerhafte oder missbräuchliche Ausgaben. Die andere Hälfte durch datenbasierte, gezieltere Mittelverteilung. Diese Zahlen stammen aus internen Berechnungen. Sie sind bisher nicht unabhängig geprüft. Die finanzielle Lage ist angespannt. Im ersten Halbjahr 2026 lag das Defizit der Pflegekassen schon bei 770 Millionen Euro. Ab Oktober könnten die Einnahmen die Ausgaben nicht mehr decken.

Ohne zusätzliche Mittel könnte die Zahlungsfähigkeit der Pflegeversicherung bereits ab Oktober gefährdet sein - das verleiht der Automatisierung und Digitalisierung der Leistungsprozesse höchste Dringlichkeit.

Oliver BlattVorsitzender GKV-Spitzenverband

Technische Umsetzung und Datenschutz

Die technische Basis ist die T-Cloud Public von Telekom. Nach Angaben des Unternehmens erfüllt die Plattform hohe Anforderungen an Datenschutz, Sicherheit und Compliance. Gesundheitsdaten werden in europäischen Rechenzentren verarbeitet. So bleibt die digitale Souveränität gewahrt. Die Software von caery prüft Abrechnungen automatisch. Sie erstellt Entscheidungsvorschläge, die auditierbar sein sollen. Über standardisierte Schnittstellen kann die Lösung bestehende Systeme ergänzen. Tiefe Eingriffe in die IT sind nicht nötig. Die Einhaltung der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) und der Empfehlungen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ist Pflicht. Mehr zu den aktuellen IT-Sicherheitsanforderungen steht im BSI-Branchenkompendium Gesundheitswesen.

Im Alltag heißt das: Pflegebudgets werden automatisch geprüft. Zuschüsse werden regelkonform ausgezahlt. Auffällige Abrechnungen erkennt das System früh. Klare Fälle werden direkt bearbeitet. Komplexe Sachverhalte gehen an Fachkräfte. Die Integration läuft per API. Neue digitale Prozesse lassen sich so schneller einführen. Auch regulatorische Anforderungen wie das geplante Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) können einfacher umgesetzt werden.

Veränderte Arbeitsabläufe und offene Fragen

Viele Krankenkassen haben schon begonnen, Standardprozesse zu automatisieren. Die Lösung von caery soll vor allem bei aufwendigen Leistungs- und Prüfprozessen helfen, die bisher viel Handarbeit erfordern. Falldaten werden mit Prüfsignalen und Kontextinformationen kombiniert. So sind regelbasierte Vorabentscheidungen möglich. Das Ziel: Fachabteilungen gewinnen Zeit für Beratung und individuelle Betreuung. Fehler und Missbrauch werden vor der Auszahlung erkannt.

Die Umsetzung hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend sind die Datenqualität, die Anpassungsfähigkeit der IT-Systeme und die Akzeptanz bei den Beschäftigten. Auch regulatorische Vorgaben und die flexible Aktualisierung maschinenlesbarer Regeln spielen eine Rolle. Ob die versprochenen Einsparungen und Effizienzgewinne wirklich eintreten, zeigt erst der Betrieb. Wie bei anderen Digitalisierungsprojekten im Gesundheitswesen bleibt offen, wie schnell und umfassend die Potenziale realisiert werden.

Markt und regulatorischer Kontext

Die Digitalisierung der Leistungsprozesse in der gesetzlichen Krankenversicherung ist Teil eines größeren Trends. Immer mehr Abläufe im Gesundheitswesen werden automatisiert. Auch andere Bereiche wie der Zahlungsverkehr setzen auf digitale und KI-gestützte Lösungen, wie frühere Berichte zeigen. Bei Gesundheitsdaten gelten aber besonders hohe Anforderungen an Datenschutz und Compliance. Die Nutzung europäischer Rechenzentren und die Einhaltung der Vorgaben sind Pflicht für den Einsatz von KI.

Telekom und caery reagieren auf den wirtschaftlichen Druck. Die Kassen brauchen Innovationen bei der Prozessautomatisierung. Ob die Umsetzung gelingt und die Effekte messbar werden, zeigt sich erst in den nächsten Jahren. Entscheidend ist, ob die versprochenen Effizienzgewinne und Einsparungen im Alltag wirklich ankommen. Die Redaktion sieht einen weiteren Schritt zu datengetriebenen Verwaltungsstrukturen. Sie warnt aber vor zu hohen Erwartungen an schnelle Effekte. Die nachhaltige Transformation hängt davon ab, wie gut Datenschutz, technische Integration und regulatorische Anforderungen zusammenpassen.

Digitale Souveränität heißt: Unternehmen, Behörden oder Staaten behalten die Kontrolle über ihre Daten, IT-Infrastruktur und digitalen Prozesse. Für die gesetzlichen Krankenkassen bedeutet das, dass sensible Gesundheitsdaten nicht außerhalb Europas verarbeitet werden. Die Kontrolle über Zugriffsrechte, Datenflüsse und Compliance bleibt erhalten. Europäische Cloud-Infrastrukturen wie die T-Cloud Public sollen das sicherstellen. So werden regulatorische Vorgaben eingehalten und Abhängigkeiten von Anbietern außerhalb Europas verringert. Digitale Souveränität ist damit Grundvoraussetzung für den vertrauenswürdigen Einsatz von KI und Automatisierung im Gesundheitswesen.

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