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DFINITY startet souveräne Cloud-Infrastruktur mit nationalem Subnet in Pakistan

Helga Nowotny Autorin für Wissenschaftspolitik und KI Glocalist Press

Verfasst von Helga Nowotny

DFINITY startet souveräne Cloud-Infrastruktur mit nationalem Subnet in Pakistan Glocalist Press
DFINITY startet souveräne Cloud-Infrastruktur mit nationalem Subnet in Pakistan

DFINITY hat mit dem Start eines nationalen Subnets in Pakistan einen neuen Ansatz für digitale Souveränität vorgestellt. Was das für Cloud-Infrastruktur, Datenschutz und internationale Märkte bedeutet, bleibt offen

DFINITY, ein Anbieter dezentraler Cloud-Infrastruktur, hat Anfang 2026 den Aufbau eines nationalen Subnets in Pakistan angekündigt. Ziel ist es, eine souveräne Cloud-Plattform bereitzustellen, die unabhängig von klassischen Hyperscalern wie Amazon Web Services oder Google Cloud betrieben wird. Das Projekt folgt auf die Einführung eines sogenannten Swiss Subnet in der Schweiz, das bereits seit Anfang des Jahres von mehreren unabhängigen Rechenzentrumsbetreibern getragen wird. Die technische Grundlage bildet die Internet Computer Plattform von DFINITY, die laut Unternehmensangaben eine kryptografisch überprüfbare Kontrolle über Daten und Infrastruktur ermöglichen soll.

Technische Architektur und neue Steuerungsmodelle

Im Unterschied zu traditionellen Cloud-Angeboten setzt DFINITY auf eine dezentrale Netzwerkstruktur. Anwendungen werden nicht auf einzelnen Servern, sondern in sogenannten Canisters ausgeführt, die Code und Daten gemeinsam verwalten. Diese Canisters laufen verteilt über verschiedene, unabhängig betriebene Knotenpunkte. Die Steuerung der Infrastruktur erfolgt über offene Protokolle, die es Organisationen erlauben, die geografische Verteilung, Betreiber und Sicherheitsanforderungen selbst zu bestimmen. Mit dem Produkt Cloud Engine können Unternehmen und Behörden eigene Subnets konfigurieren und dabei festlegen, welche Betreiber und Standorte sie akzeptieren. Nach Angaben von DFINITY ist es zudem möglich, Infrastruktur flexibel zwischen verschiedenen Cloud-Anbietern und eigener Hardware zu verschieben, ohne dass Anwendungen unterbrochen werden müssen.

Die Abrechnung erfolgt über den nativen Token ICP, der in sogenannte Cycles umgewandelt wird und als interne Recheneinheit für Speicher und Rechenleistung dient. Endnutzer müssen dabei nicht zwingend eigene Kryptowährungen halten, da Organisationen die Kosten zentral übernehmen können. Die technische Trennung von Anwendung und Infrastruktur soll laut DFINITY das Risiko von Anbieterbindung (Vendor Lock-in) reduzieren und die Kontrolle über Daten und Betrieb stärken.

Pakistan als Pilotmarkt für nationale Souveränität

Mit dem Start des Pakistan Subnet will DFINITY erstmals eine dezentrale Cloud-Infrastruktur auf Ebene eines Nationalstaats demonstrieren. Die Pakistan Digital Authority und die DFINITY Foundation haben dazu im Februar eine Absichtserklärung unterzeichnet. Geplant sind unter anderem eine nationale Messenger-Anwendung mit überprüfbarer Verschlüsselung, der Zugang zu einer KI-Plattform namens Caffeine sowie Programme zur Kompetenzentwicklung in Verwaltung, Bildung und Unternehmertum. Die technische Umsetzung sieht vor, dass alle Knotenpunkte des Subnets innerhalb Pakistans betrieben werden und damit den Anforderungen an Datenresidenz und nationale Kontrolle entsprechen.

DFINITY betont, dass insbesondere in Regionen mit instabiler Infrastruktur oder erhöhtem Risiko für physische und digitale Angriffe eine verteilte Architektur Vorteile bieten kann. Sollte ein Rechenzentrum ausfallen, könnten Anwendungen auf anderen Knoten weiterlaufen. Unabhängige Bestätigungen zur tatsächlichen Ausfallsicherheit oder zu den Kosten der Lösung liegen bislang nicht vor. Auch bleibt offen, wie die Integration mit bestehenden IT-Systemen und regulatorischen Vorgaben in Pakistan konkret umgesetzt wird.

Relevanz für Datenschutz und internationale Regulierung

Die Diskussion um digitale Souveränität gewinnt in Europa und international an Bedeutung, insbesondere im Kontext des US CLOUD Act und der europäischen Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). DFINITY argumentiert, dass echte Souveränität nicht allein durch den Standort der Server, sondern durch die vollständige Kontrolle über Infrastruktur und Software erreicht werden könne. Kritisch bleibt, dass auch bei Nutzung von Cloud-Angeboten internationaler Anbieter rechtliche Zugriffsmöglichkeiten durch Drittstaaten bestehen können, sofern Software oder Betreiber dem jeweiligen Recht unterliegen.

Die Möglichkeit, Subnets ausschließlich mit Anbietern und Standorten innerhalb eines Landes oder einer Region zu betreiben, wird als Vorteil für Behörden und Unternehmen mit hohen Datenschutzanforderungen dargestellt. Ob diese technischen und organisatorischen Maßnahmen ausreichen, um regulatorische Anforderungen in Europa oder anderen Märkten zu erfüllen, ist bislang nicht abschließend geklärt. Unabhängige Prüfungen oder Zertifizierungen für die DFINITY-Plattform liegen nach aktuellem Stand nicht vor.

Automatisierung und Wandel der Softwareentwicklung

Ein weiterer Aspekt des Projekts ist die Integration von KI-gestützten Entwicklungsplattformen wie Caffeine. Diese sollen es ermöglichen, Anwendungen durch die Beschreibung in natürlicher Sprache zu erstellen, wobei spezialisierte KI-Agenten die Umsetzung übernehmen. DFINITY sieht darin einen Trend, bei dem nicht mehr primär Entwicklerinnen und Entwickler, sondern Produktverantwortliche und KI-Systeme die Auswahl von Plattformen und Technologien bestimmen. Für Unternehmen könnte dies bedeuten, dass Kriterien wie Kosten, Sicherheit, Portabilität und Vermeidung von Anbieterbindung stärker in den Vordergrund rücken.

Ob sich diese Entwicklung in der Breite durchsetzt und welche Auswirkungen sie auf bestehende Software-Ökosysteme und Arbeitsmodelle hat, bleibt abzuwarten. Bislang liegen keine unabhängigen Studien zur Produktivität oder Sicherheit derart automatisierter Entwicklungsprozesse vor.

Digitale Souveränität bezeichnet die Fähigkeit von Staaten, Unternehmen oder Organisationen, die Kontrolle über ihre digitalen Infrastrukturen, Daten und Anwendungen unabhängig von externen Anbietern oder fremden Rechtsräumen auszuüben. Technisch umfasst dies Aspekte wie Datenresidenz, Kontrolle über Software und Hardware sowie die Möglichkeit, Infrastruktur und Anwendungen flexibel zu betreiben oder zu migrieren. In der Praxis ist vollständige Souveränität schwer zu erreichen, da viele Komponenten global entwickelt und betrieben werden. Regulatorisch spielen Gesetze wie der US CLOUD Act oder die DSGVO eine zentrale Rolle, da sie den Zugriff auf Daten und Systeme auch über nationale Grenzen hinweg regeln. Technische Lösungen wie dezentrale Cloud-Infrastrukturen können helfen, Abhängigkeiten zu reduzieren, ersetzen aber nicht die Notwendigkeit klarer rechtlicher Rahmenbedingungen.Schlagwörter: Cloud-Computing, Digitale Souveränität, Cloud- & Datenplattformen

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