Eine aktuelle Studie von Foundry zeigt, dass digitale Souveränität für Unternehmen in Europa zunehmend geschäftskritisch wird. Welche Maßnahmen und Cloud-Strategien tatsächlich geplant sind, bleibt jedoch teils offen
Die Bedeutung digitaler Souveränität rückt für Unternehmen in Europa stärker in den Fokus. Nach einer aktuellen Studie von Foundry, veröffentlicht im Jahr 2026, bewerten 71,1 Prozent der befragten Unternehmen das Thema als sehr wichtig oder sogar geschäftskritisch. Die Untersuchung basiert auf einer Befragung von Unternehmen unterschiedlicher Größe und Branchen. Sie zeigt, dass die Relevanz von Souveränität nicht nur auf technologische Aspekte beschränkt ist, sondern auch Datenhaltung, Datenzugriff und operative Steuerbarkeit umfasst. Lediglich weniger als drei Prozent der Teilnehmenden stufen digitale Souveränität als unwichtig ein.
Schwerpunkt auf Risikominimierung
Die Studie legt nahe, dass Unternehmen digitale Souveränität vor allem mit Risikominimierung verbinden. Über die Hälfte der Befragten nennt IT-Sicherheit und Cybersecurity als zentrale Motive. 42,9 Prozent betonen die Kontrolle über eigene Daten. Weitere genannte Aspekte sind die Unabhängigkeit von Technologieanbietern und regulatorische Anforderungen. Diese Einschätzungen spiegeln die wachsende Sensibilität für Abhängigkeiten von internationalen Cloud-Anbietern und die Notwendigkeit, regulatorische Vorgaben - etwa im Datenschutz - einzuhalten.
Die geplanten Maßnahmen sind entsprechend konkret: 34 Prozent der Unternehmen planen den Einsatz souveräner Cloud-Lösungen, 29,8 Prozent verfolgen eine Multi-Cloud-Strategie und 13,8 Prozent erwägen eine Migration zu europäischen Cloud-Angeboten. Die Zahlen beziehen sich auf die kommenden Jahre und zeigen, dass der Wechsel der Infrastruktur für viele Unternehmen ein zentrales Mittel zur Stärkung der eigenen Souveränität darstellt. Die Studie macht jedoch keine Angaben dazu, wie viele dieser Vorhaben bereits umgesetzt wurden oder sich noch in der Planungsphase befinden.
Europäische Cloud-Lösungen im Vergleich
Ein zentrales Ergebnis der Untersuchung ist die Frage nach der Bereitschaft, europäische Cloud-Lösungen zu wählen, selbst wenn diese funktional nicht vollständig mit US-Marktführern gleichziehen. Laut Studie würden sich 32,4 Prozent der Unternehmen für eine europäische Lösung entscheiden, wenn diese 90 Prozent des Funktionsumfangs eines US-Anbieters bietet und gleichzeitig vollständige digitale Souveränität garantiert. Der Preis spielt in diesem Szenario eine nachgeordnete Rolle. Die Mehrheit der Unternehmen wägt jedoch weiterhin spezifische Funktionen und Komfortmerkmale ab, bevor sie einen Wechsel vollzieht.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass digitale Souveränität zunehmend als strategischer Faktor in der Auswahl von Cloud-Infrastrukturen betrachtet wird. Dennoch bleibt die tatsächliche Marktdurchdringung europäischer Cloud-Angebote begrenzt, solange diese nicht in allen Bereichen mit internationalen Wettbewerbern mithalten können. Die Studie liefert keine Angaben dazu, wie sich die Präferenzen in konkreten Ausschreibungen oder Vertragsabschlüssen niederschlagen.
Auswirkungen auf Cloud-Strategien und KI
Die zunehmende Bedeutung digitaler Souveränität beeinflusst auch die langfristigen Cloud-Strategien vieler Unternehmen. Die Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) und die Nutzung sensibler Daten in Cloud-Umgebungen verstärken die Anforderungen an Datenkontrolle und Rechtskonformität. Unternehmen müssen bei der Auswahl von Cloud-Diensten nicht nur technische Leistungsfähigkeit, sondern auch Fragen der Datenresidenz, des Rechtsraums und der Exit-Optionen berücksichtigen. Die Studie verweist darauf, dass diese Aspekte von Anfang an Teil der Cloud-Strategie sein sollten, um spätere Abhängigkeiten und Risiken zu vermeiden.
Unklar bleibt, inwieweit die geplanten Maßnahmen tatsächlich zu einer nachhaltigen Stärkung der digitalen Souveränität führen. Die Studie gibt keine Auskunft darüber, wie Unternehmen die Wirksamkeit ihrer Strategien messen oder welche Hürden bei der Migration zu souveränen Lösungen bestehen. Auch bleibt offen, wie sich die regulatorischen Rahmenbedingungen in Europa weiterentwickeln und welche Rolle europäische Anbieter künftig im internationalen Wettbewerb spielen werden.
Digitale Souveränität bezeichnet die Fähigkeit von Unternehmen, Staaten oder Institutionen, die Kontrolle über ihre eigenen digitalen Infrastrukturen, Daten und Prozesse zu behalten. Im Kontext von Cloud-Computing umfasst dies insbesondere die Wahl des Datenstandorts, die Einhaltung regionaler Datenschutzvorgaben, die Möglichkeit zum Anbieterwechsel (Exit-Optionen) und die Unabhängigkeit von einzelnen Technologieanbietern. Für europäische Unternehmen gewinnt das Thema an Bedeutung, da regulatorische Anforderungen wie die DSGVO und der EU Data Act die Rahmenbedingungen für Datenhaltung und -verarbeitung verschärfen. Die Umsetzung digitaler Souveränität bleibt jedoch eine komplexe Aufgabe, die technische, rechtliche und wirtschaftliche Aspekte gleichermaßen umfasst.