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Digitale Souveränität bleibt für Unternehmen in Europa eine offene Herausforderung

Nils Bedke Autor für Kapitalmärkte und Banking Glocalist Press

Verfasst von Nils Bedke

Digitale Souveränität bleibt für Unternehmen in Europa eine offene Herausforderung Glocalist Press © glocalist.press
Digitale Souveränität bleibt für Unternehmen in Europa eine offene Herausforderung © glocalist.press

Boomi betont, dass Datenlokalisierung allein keine vollständige digitale Souveränität garantiert. Unternehmen in Deutschland und Europa stehen vor komplexen Anforderungen bei Kontrolle, Betrieb und Technologieeinsatz

Die Diskussion um digitale Souveränität hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen, insbesondere für Unternehmen in Deutschland und der Europäischen Union. Während viele Anbieter von Cloud-Diensten mit dem Aufbau lokaler Rechenzentren auf regulatorische Anforderungen reagieren, bleibt die Frage offen, ob diese Maßnahmen tatsächlich ausreichen, um die vollständige Kontrolle über Unternehmensdaten zu gewährleisten. Nach Angaben von Boomi, einem Anbieter von Integrationsplattformen, ist Datenlokalisierung zwar ein wichtiger Schritt, aber nur ein Teilaspekt eines umfassenderen Souveränitätskonzepts.

Grenzen der Datenlokalisierung

Die Einrichtung von Rechenzentren innerhalb der EU erfüllt formale Vorgaben zur Datenresidenz, also zur Speicherung und Verarbeitung von Daten innerhalb eines bestimmten Rechtsraums. Allerdings variiert die Auslegung von Datenresidenz je nach Land und Kundenanforderung. Einheitliche rechtliche Standards fehlen bislang. Boomi weist darauf hin, dass die physische Speicherung von Daten in einer bestimmten Region nicht automatisch bedeutet, dass Unternehmen die volle Kontrolle über ihre Daten behalten. Technische und operative Abhängigkeiten von Cloud-Anbietern bleiben bestehen, insbesondere wenn zentrale Steuerungsfunktionen weiterhin außerhalb des eigenen Einflussbereichs liegen.

Operative und technologische Souveränität

Digitale Souveränität umfasst nach Einschätzung von Boomi mehr als nur die Kontrolle über den Speicherort von Daten. Entscheidend sind auch die operative Souveränität - also die Steuerung und Überwachung von IT-Systemen durch lokale Akteure - sowie die technologische Souveränität, die sicherstellt, dass eingesetzte Technologien und KI-Systeme unter der Kontrolle des Unternehmens oder eines in der EU ansässigen Anbieters bleiben. Eine hundertprozentig wasserdichte Lösung existiert nach aktuellem Stand nicht, solange Unternehmen weiterhin auf internationale Cloud-Infrastrukturen und bestehende Verträge angewiesen sind. Eine vollständige Souveränität wäre nur durch vollständige Migration aller Systeme in eigene oder lokal gehostete Infrastrukturen erreichbar, was in der Praxis mit erheblichen Kosten und Aufwand verbunden ist.

Architekturansätze und Auswirkungen auf die IT

Boomi verfolgt einen Ansatz, bei dem die Steuerung von Integrationsprozessen (Control Plane) von der eigentlichen Ausführung (Data Plane) getrennt wird. Das Design und Management erfolgen zentral in der Cloud, während die Ausführung sensibler Prozesse lokal, etwa hinter der Unternehmens-Firewall, stattfinden kann. Nach Unternehmensangaben ermöglicht dies, die Vorteile moderner Cloud-Plattformen zu nutzen, ohne dass hochsensible Daten das eigene Unternehmen verlassen. Für IT-Teams bedeutet dies, dass sie Integrationslogik zentral steuern können, während die lokale Infrastruktur nur minimalen Wartungsaufwand erfordert. Dennoch bleibt die Herausforderung bestehen, Compliance-Anforderungen und Innovationsfähigkeit in Einklang zu bringen, insbesondere wenn Daten aus regulatorischen Gründen überwiegend lokal verarbeitet werden müssen.

Perspektiven für KI und zukünftige Anforderungen

Mit Blick auf den Einsatz von Künstlicher Intelligenz betont Boomi, dass die heutige Diskussion um Datensouveränität nur einen Teil der künftigen Herausforderungen abbildet. Unternehmen müssen künftig auch die Kontrolle darüber behalten, welche KI-Modelle auf welche Daten zugreifen und wie diese verarbeitet werden. Dies erfordert Architekturen, die eine lückenlose Überwachung und Dokumentation von Datenflüssen ermöglichen. Boomi positioniert sich als "Data Activation Company" und sieht die Aktivierung von Daten - also deren Anreicherung mit geschäftlichem Kontext und sichere Bereitstellung für KI-Anwendungen - als entscheidenden Faktor für die Entwicklung vertrauenswürdiger und rechtskonformer KI-Lösungen, insbesondere für mittelständische Unternehmen in der DACH-Region.

Digitale Souveränität bezeichnet die Fähigkeit von Unternehmen oder Staaten, die Kontrolle über ihre eigenen digitalen Infrastrukturen, Daten und Technologien zu behalten. Sie umfasst rechtliche, technische und operative Aspekte und gewinnt angesichts wachsender Abhängigkeiten von internationalen Cloud-Anbietern und KI-Plattformen an Bedeutung. In der Praxis ist vollständige digitale Souveränität schwer zu erreichen, da technische, wirtschaftliche und regulatorische Faktoren ineinandergreifen. Unternehmen müssen daher individuelle Strategien entwickeln, um ihre Souveränität aktiv zu steuern und regulatorische Anforderungen zu erfüllen.Schlagwörter: Digitale Souveränität, Cloud-Computing, Datenresidenz

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