Die Friends Digital Group bringt spezialisierte Agenturen zusammen und setzt auf Build and Share statt Buy and Build. Wie das Modell funktioniert und welche Rolle KI dabei spielt, bleibt für etablierte Unternehmen entscheidend.
Die Friends Digital Group geht einen anderen Weg als klassische Buy-and-Build-Modelle. Gründer Julian Hansmann übernimmt keine Firmen komplett und steuert sie nicht zentral. Stattdessen setzt er auf Build and Share. Das Ziel: spezialisierte Agenturen unter einem Dach, aber jede bleibt eigenständig. Im Mittelpunkt steht, gemeinsam KI-basierte Geschäftsmodelle zu entwickeln. Die Gruppe nutzt dabei ihre Branchenerfahrung und die Nähe zu den Kunden. Gegründet wurde die Friends Digital Group am 23.09.2026. Sie vereint sechs spezialisierte Digitalagenturen mit rund 150 Mitarbeitenden in Köln, Berlin, Düsseldorf, Stuttgart und Frankfurt.
Das Modell unterscheidet sich klar von traditionellen Buy-and-Build-Strategien. Dort werden Firmen meist komplett integriert und zentral geführt. Bei Friends Digital Group behalten die Agenturen ihre Marke, Spezialisierung und Verantwortung. Es gibt keinen klassischen Verkauf mit anschließendem Ausstieg der Gründer. Stattdessen tauschen die Beteiligten Anteile. Die bisherigen Eigentümer werden Mitgesellschafter der Gruppe. Die operative Steuerung bleibt dezentral. Zentrale Bereiche wie Vertrieb, Marketing oder Shared Services werden gemeinsam aufgebaut. Die Partner wurden nicht anonym ausgewählt, sondern auf Basis bestehender Beziehungen und Vertrauen.
Julian Hansmann, der 2012 Friendventure in Köln gründete und schon als Student im Web- und Grafikdesign unternehmerisch aktiv war, setzt auf langfristige Zusammenarbeit. Die Friends Digital Group sucht keine Gründer, die aussteigen wollen. Sie sucht Unternehmer, die weiter gestalten und Verantwortung tragen. Hansmann ist überzeugt: Spezialisierung und Wachstum schließen sich nicht aus. Durch gezielte Zusammenarbeit entstehen neue Möglichkeiten.
Die Bündelung von Expertise und die zentrale Entwicklung von Vertriebs- und Servicefunktionen ermöglichen es spezialisierten Agenturen, im KI-Zeitalter wettbewerbsfähig zu bleiben, ohne ihre Eigenständigkeit aufzugeben.
Im Kern steht die Überzeugung, dass Spezialisierung und Größe zusammengehen können. Die Friends Digital Group will ein breites Angebot schaffen. Jede Agentur bringt ihre Stärken ein und lernt von den anderen. Neue Technologien und Prozesse werden gemeinsam getestet. Was funktioniert, kann schnell in der Gruppe übernommen werden. Wissen und Investitionen werden gebündelt. So sollen neue Services und AI-native Geschäftsmodelle entstehen. Die Gruppe orientiert sich an aktuellen Standards für digitale Geschäftsmodelle und branchenspezifischen Vorgaben. Dazu zählen die deutsche Digitalstrategie und die europäische KI-Regulierung (AI Act).
Hansmann sieht etablierte Unternehmen im Vorteil, wenn es um KI-basierte Geschäftsmodelle geht. Sie haben Erfahrung, gewachsene Kundenbeziehungen und funktionierende Vertriebswege. Entscheidend ist aber, ob sie bereit sind, alte Strukturen zu hinterfragen und Prozesse von Grund auf AI-native zu denken. Die Friends Digital Group will im Verbund Raum schaffen, um solche Innovationen zu testen und zu skalieren. Datenschutz und IT-Sicherheit, wie sie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik empfiehlt, sind fester Teil der Strategie.
Im Moment ist die Friends Digital Group inhabergeführt und arbeitet ohne externe Investoren. Das gibt ihr die Freiheit, Strukturen und Entscheidungen eigenständig zu entwickeln. Es ist aber nicht ausgeschlossen, dass später Business Angels, strategische Partner oder Investoren dazukommen - wenn sie echten Mehrwert bringen und zur Philosophie passen. Die unternehmerische Kontrolle soll dabei erhalten bleiben.
Die Friends Digital Group steht noch am Anfang. Weitere spezialisierte Unternehmen könnten dazukommen, und die Strukturen werden sich weiterentwickeln. Die zentrale Annahme bleibt: Größe und Spezialisierung schließen sich nicht aus. Etablierte Unternehmen können im KI-Zeitalter neue Geschäftsmodelle entwickeln, ohne von AI-nativen Startups verdrängt zu werden. Ob das Build-and-Share-Modell wirklich trägt, wird die Praxis zeigen.
Vernetzung und Austausch als Antwort auf technologische Umbrüche
Ein Hauptgrund für das Build-and-Share-Modell ist, unternehmerische Einsamkeit zu überwinden. Gerade Solo-Gründer stehen mit wachsendem Unternehmen oft allein vor wichtigen Entscheidungen. Die Friends Digital Group schafft eine Plattform, auf der mehrere Unternehmer auf Augenhöhe zusammenarbeiten. Sie teilen Erfahrungen und diskutieren gemeinsam über Kunden, Technik und neue Ideen. In Zeiten von Umbrüchen durch KI kann dieses Sparring helfen, Prozesse, Angebote und Geschäftsmodelle schneller weiterzuentwickeln.
Wie etablierte Unternehmen mit KI umgehen, ist in vielen Branchen noch offen. Einige Anbieter, wie berichtet wurde, integrieren bereits KI-Funktionen in bestehende Plattformen. Die Friends Digital Group setzt dagegen auf neue, AI-native Modelle, die aus dem bestehenden Geschäft heraus entstehen. Ob dieser Weg langfristig erfolgreicher ist als klassische Buy-and-Build-Strategien, lässt sich noch nicht sagen. Klar ist: Die Verbindung von Spezialisierung, unternehmerischer Verantwortung und gemeinsamer Innovation ist ein eigenständiger Weg im deutschen Agenturmarkt.
Buy and Build heißt, gezielt andere Firmen zu übernehmen, um durch Integration und Zentralisierung schneller zu wachsen. Das Build-and-Share-Modell dagegen setzt auf Zusammenschluss spezialisierter Unternehmen, die eigenständig bleiben und gemeinsam neue Strukturen schaffen. Entscheidend für den Erfolg ist, wie gut Wissen, Ressourcen und Innovationskraft in der Gruppe geteilt und weiterentwickelt werden. Gerade bei KI und digitalen Geschäftsmodellen bleibt offen, welche Organisationsform sich am Ende durchsetzt.